„Kajillionaire“  - „Kajillionaire“ lebt vom Blick für viele eigenwillige Details wie wiederholten kleinen, aber folgenlos bleibenden Erdbeben.

Schräge Indie-Perle "Kajillionaire"

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Gasperi über Miranda Julys Komödie „Kajillionaire“.

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Gasperi über Miranda Julys Komödie „Kajillionaire“.

Das US-Multitalent Miranda July erzählt in ihrer Komödie „Kajillionaire“ von dem schrulligen Paar Theresa (Debra Winger) und Robert (Richard Jenkins) und deren 26-jährigen Tochter Old Dolio (Evan Rachel Wood), die sich mit ebenso originellen wie schrägen Betrügereien durchs Leben schlagen. Bei diesen Gaunereien liegt die Hauptlast bei der Tochter, dennoch bestehen die ausbeuterischen Eltern darauf, dass die spärliche Beute jeweils durch drei geteilt wird. July interessiert sich weniger für eine stringente Handlungsführung als vielmehr für kleine Szenen. Ihr Film lebt vom Blick für eigenwillige Details wie wiederholten kleinen, aber folgenlos bleibenden Erdbeben und den großartig besetzten Figuren. Im Zentrum steht dabei Tochter Old Dolio, der im Zuge einer Therapiesitzung, in die sie zufällig gerät, bewusst wird, dass Eltern-Tochter-Beziehungen auch ganz anders aussehen können und sollen. Befeuert wird diese Selbsterkenntnis durch die weltoffene und quirlige Puerto Ricanerin Melanie, die sich, vom vermeintlich prickelnden Abenteuer des Trickbetrugs à la „Ocean´s Eleven“ fasziniert, dem Trio anschließt. So erzählt July von einem Selbstfindungs- und Abnabelungsprozess. An die Stelle der Distanz zu den Figuren am Beginn tritt mit dieser Entwicklung auch ein zunehmend einfühlsamerer Blick auf Old Dolio und das Schrullige wird von emotionaler Tiefe abgelöst. Ein typischer US-Indie-Film ist dies in seiner befreiten und verspielten Erzählweise, bei der weitgehend nur beobachtet und kaum etwas erklärt wird. Aber gerade durch diese Unbekümmertheit und Freiheit entwickelt „Kajillionaire“ eine Frische und Echtheit, die am Reißbrett entworfenen Mainstream-Filmen zumeist fehlen.

Das US-Multitalent Miranda July erzählt in ihrer Komödie „Kajillionaire“ von dem schrulligen Paar Theresa (Debra Winger) und Robert (Richard Jenkins) und deren 26-jährigen Tochter Old Dolio (Evan Rachel Wood), die sich mit ebenso originellen wie schrägen Betrügereien durchs Leben schlagen. Bei diesen Gaunereien liegt die Hauptlast bei der Tochter, dennoch bestehen die ausbeuterischen Eltern darauf, dass die spärliche Beute jeweils durch drei geteilt wird. July interessiert sich weniger für eine stringente Handlungsführung als vielmehr für kleine Szenen. Ihr Film lebt vom Blick für eigenwillige Details wie wiederholten kleinen, aber folgenlos bleibenden Erdbeben und den großartig besetzten Figuren. Im Zentrum steht dabei Tochter Old Dolio, der im Zuge einer Therapiesitzung, in die sie zufällig gerät, bewusst wird, dass Eltern-Tochter-Beziehungen auch ganz anders aussehen können und sollen. Befeuert wird diese Selbsterkenntnis durch die weltoffene und quirlige Puerto Ricanerin Melanie, die sich, vom vermeintlich prickelnden Abenteuer des Trickbetrugs à la „Ocean´s Eleven“ fasziniert, dem Trio anschließt. So erzählt July von einem Selbstfindungs- und Abnabelungsprozess. An die Stelle der Distanz zu den Figuren am Beginn tritt mit dieser Entwicklung auch ein zunehmend einfühlsamerer Blick auf Old Dolio und das Schrullige wird von emotionaler Tiefe abgelöst. Ein typischer US-Indie-Film ist dies in seiner befreiten und verspielten Erzählweise, bei der weitgehend nur beobachtet und kaum etwas erklärt wird. Aber gerade durch diese Unbekümmertheit und Freiheit entwickelt „Kajillionaire“ eine Frische und Echtheit, die am Reißbrett entworfenen Mainstream-Filmen zumeist fehlen.

Kajillionaire USA 2020.

Regie: Miranda July.

Mit Evan Rachel Wood, Debra Winger

Universal. 106 Min.

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