The climb
Film

"The Climb": Toxische Männerfreundschaft

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Gasperi über ein wunderbar unkonventionelles Buddy-Movie.

1945 1960 1980 2000 2020

Walter Gasperi über ein wunderbar unkonventionelles Buddy-Movie.

Gegensätzliche Charaktere sind der gutmütige Kyle (Kyle Marvin) und der egoistische Mike (Michael Angelo Covino), doch seit der Kindheit verbindet sie eine Freundschaft. Damit scheint es freilich vorbei, als Mike bei einer Rennradtour Kyle gesteht, dass er mit dessen Braut geschlafen hat. Dennoch finden die beiden Männer Jahre später wieder zueinander, wobei Mike aber sogleich wieder versucht, Kyles geplante Hochzeit zu verhindern. In sieben Kapiteln erzählt Michael Angelo Covino in seinem Langfilmdebüt vom Auf und Ab dieser schwierigen Männerfreundschaft. Weitgehend in Echtzeit und teilweise in einer einzigen langen Plansequenz gefilmte Momentaufnahmen bieten die jeweils gut zehnminütigen Abschnitte, zwischen denen teils Wochen, teils Jahre liegen. Was in der Zwischenzeit passierte, wird nicht ausformuliert, sondern ergibt sich ganz selbstverständlich.

Da wird bei einer Beerdigung beispielsweise sofort klar, dass sich die Beziehungen offensichtlich ganz anders entwickelt haben als geplant, auch die Ursache für einen eingegipsten Arm lässt sich leicht erschließen. So regt die elliptische Erzählweise die Fantasie des Zuschauers an, der die Leerstellen selbst in Gedanken füllen muss. Gesteigert wird die Originalität noch durch den Musikeinsatz und eigenwillige Einschübe: Amerikanische Schlager stehen da neben französischen Chansons, Arbeiter, die auf einem Friedhof ein Grab ausheben, beginnen plötzlich zu singen, und ein Winterurlaub wird mit einem Skiballett eingeleitet. Unübersehbar ist auch viel von der realen Freundschaft von Covino und Marvin eingeflossen. Sie spielen nicht nur mit sichtlichem Vergnügen die beiden ungleichen Protagonisten, die zudem noch ihre eigenen Vornamen tragen, sondern haben auch gemeinsam das Drehbuch geschrieben. Entstanden ist so ein wunderbar unkonventionelles Buddy-Movie voll schrägem, teilweise auch ruppigem Humor, das aber auch bewegend von Freud und Leid einer Freundschaft erzählt.

Der Autor ist freier Filmjournalist.