Bewegungen eines nahen Bergs - Bewegungen eines nahen Bergs: Sebastian Brameshuber porträtiert die Konsumgesellschaft auf eine ganz eigene, andere Weise. - © Filmgarten
Film

Traum vom sicheren Auskommen

1945 1960 1980 2000 2020
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Die Legende lautet folgendermaßen: Für seine Freiheit versprach ein Wassermann einen Fuß aus Gold, ein Herz aus Silber oder einen Hut aus Eisen. Das Gold würde für einen Atemzug reichen, das Silber ein Menschenleben lang und das Eisen für die Ewigkeit. Die Wahl der Leute, die ihn gefangen hatten, soll der Steiermark den Erzberg beschert haben.

Auch Clifford, der Protagonist von „Bewegungen eines nahen Bergs“, rezitiert für den Dokumentarfilm von Sebastian Brameshubers („Muezzin“) diese Sage. Unweit von deren Schauplatz hat er sich in einer Lagerhalle niedergelassen. Er verwertet dort alte Autos, verkauft die Teile gleich oder später in seiner Heimat Nigeria. Vor Jahren waren sie zu zweit; Magnus hat aufgegeben. Präsent ist er immer noch in den 16mm-Aufnahmen, die einem früheren Kurzfilm des Regisseurs entnommen sind. In ihnen ist vom wirtschaftlichen Druck die Rede, wird geträumt von einem sicheren Auskommen, ähnlich der Legende. Auch von Ewigkeit wird gesummt, und zwar wenn sie über ihrem Tagewerk christliche Lieder anstimmen – von einer anderen immerwährenden Verheißung.

Der Mensch und die Dimensionen der Zeit stehen in Brameshubers Film im Vordergrund. Auf alltäglicher Ebene bedeutet dies, dass er die Verrichtungen des Ausbandlers Cliff akribisch erfasst – das Verteilen der Visitenkarten auf Parkplätzen ebenso wie den Motor, der vor dem Transport ausgiebig mit Folie umwickelt werden muss. Dazwischen entfaltet sich im Arbeits- und zugleich Wohnort Lagerhalle das Leben. Die improvisierten Sitzgelegenheiten. Das Stück Zaun, an dem die Wäsche zum Trocknen hängt. Die menschlichen Spuren auf den staubigen Karosserien. Käufer, die mit Cliff um den Preis für alte Reifen feilschen. Der andere Blick auf „unsere“ Konsumgesellschaft ist ein markantes Detail des Films. Herausragend wird er jedoch durch die Art, wie er einen Menschen porträtiert und mit ihm unser Wesen, damals wie heute.

Die Legende lautet folgendermaßen: Für seine Freiheit versprach ein Wassermann einen Fuß aus Gold, ein Herz aus Silber oder einen Hut aus Eisen. Das Gold würde für einen Atemzug reichen, das Silber ein Menschenleben lang und das Eisen für die Ewigkeit. Die Wahl der Leute, die ihn gefangen hatten, soll der Steiermark den Erzberg beschert haben.

Auch Clifford, der Protagonist von „Bewegungen eines nahen Bergs“, rezitiert für den Dokumentarfilm von Sebastian Brameshubers („Muezzin“) diese Sage. Unweit von deren Schauplatz hat er sich in einer Lagerhalle niedergelassen. Er verwertet dort alte Autos, verkauft die Teile gleich oder später in seiner Heimat Nigeria. Vor Jahren waren sie zu zweit; Magnus hat aufgegeben. Präsent ist er immer noch in den 16mm-Aufnahmen, die einem früheren Kurzfilm des Regisseurs entnommen sind. In ihnen ist vom wirtschaftlichen Druck die Rede, wird geträumt von einem sicheren Auskommen, ähnlich der Legende. Auch von Ewigkeit wird gesummt, und zwar wenn sie über ihrem Tagewerk christliche Lieder anstimmen – von einer anderen immerwährenden Verheißung.

Der Mensch und die Dimensionen der Zeit stehen in Brameshubers Film im Vordergrund. Auf alltäglicher Ebene bedeutet dies, dass er die Verrichtungen des Ausbandlers Cliff akribisch erfasst – das Verteilen der Visitenkarten auf Parkplätzen ebenso wie den Motor, der vor dem Transport ausgiebig mit Folie umwickelt werden muss. Dazwischen entfaltet sich im Arbeits- und zugleich Wohnort Lagerhalle das Leben. Die improvisierten Sitzgelegenheiten. Das Stück Zaun, an dem die Wäsche zum Trocknen hängt. Die menschlichen Spuren auf den staubigen Karosserien. Käufer, die mit Cliff um den Preis für alte Reifen feilschen. Der andere Blick auf „unsere“ Konsumgesellschaft ist ein markantes Detail des Films. Herausragend wird er jedoch durch die Art, wie er einen Menschen porträtiert und mit ihm unser Wesen, damals wie heute.

Bewegungen eines nahen Bergs - © Filmgarten
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Dokumentarfilm

Bewegungen eines nahen Bergs

A/F 2019. Regie: Sebastian Brameshuber.
Filmgarten. 86 Min.