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Literatur

einnisten

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Das lyrische Debüt der Südtirolerin Katja Renzler.

Nach verstreuten Einzelpublikationen hat die Südtirolerin Katja Renzler im Skarabaeus-Verlag nun ihren ersten Lyrikband herausgebracht. Am schlicht gestalteten, himmelblau und weiß gehaltenen Einband sind ihre biografischen Eckdaten zu lesen - und ein Verlagshinweis: "Die erstaunlich präzisen Textgebilde lassen keine Illusionen mehr." - "Welche Illusionen?", ist man nun geneigt zu fragen. Klare Bilder? Klare Sprache?

Renzlers Texte entziehen sich einem widerhakenlosen Zugang und verweigern sich dem simplen Zusammenhang. Hier werden Assoziationsketten zusammengeschweißt, die in der Aufeinanderfolge ungewöhnlicher Bildsequenzen wieder gebrochen werden. Überhaupt fallen beim ersten Durchblättern des schmalen Bändchens bestimmte Eigenheiten auf. Es wirkt fast kapriziös, dass die Umlaute nicht geschrieben werden (schmecken sie tatsächlich nach Fisch, wie Renzler in einem der Texte schreibt?) oder ein &-Zeichen anstelle des Wortes dasteht.

Sehr eigenwillig

Die eigenwillige Anordnung der Textsegmente unterstreicht die inhaltlichen Bögen, optisch umgesetzt in Ein- oder Zweiwortzeilen, die sich atemlos durch diese Säulen ziehen: "ueber / nacht / stoesst / die / sonne sich / die strahlen / am / morgenstern / wund / um nicht / unterzugehen / im / entflammten / tag"

Thematisch wird vieles gestreift. Es geht um einen subjektiven Blick auf die Welt und um ihre poetische Aneignung vorbei an Natur und Alltag oder verschiedenen Existenzerfahrungen. Alltägliches, scheinbar Gewöhnliches wächst sich plötzlich zum Bedrohlichen aus: "& noch viel / mehr / im regen naemlich / springt / sie / ueber / haende / wiesen / gedanken / bis sie / ein tropfen / erschlaegt" Details werden herangezoomt und lyrisch kartografiert. Auch der Mond zeigt sich hier als zentrales Motiv oder der Blick auf die Sprache: "einnisten / moechte ich / mich / in die / plazenta der / sprache / dort wo / alles anfaengt / & nichts aufhoert / ausser / mir".

Manch schiefes Bild

Warum aber - fragt man sich - manch schiefes Bild, das auch der Schleier der Hermetik nicht zu überdecken vermag? Zum Beispiel die lyrische Bruchlandung des Sommergewitters, das einem Reste "grobpulverigen Schnees von der Kehle" zu räuspern vermag. Auch das nachgesetzte Rot kann das Ganze nicht schlüssiger machen. Vereinzelte sprachliche Unsauberkeiten werden wohl auch eher einem nachlässigen Lektorat anzulasten sein, doch soll darauf nicht kleinlich herumgeritten werden, denn man stößt freilich auch auf kreative Sprachkompositionen. Renzler variiert verschiedene sprachliche Register. Es ist eine Poesie, die ohne große Sentimentalität auskommt und in der das Stakkato der Wahrnehmung und der genaue Blick nebeneinander zu finden sind.

wort-verwandt-schaften

Lyrik von Katja Renzler

Skarabaeus Verlag, Innsbruck 2004

105 Seiten, kart., e 12,40

Das lyrische Debüt der Südtirolerin Katja Renzler.

Nach verstreuten Einzelpublikationen hat die Südtirolerin Katja Renzler im Skarabaeus-Verlag nun ihren ersten Lyrikband herausgebracht. Am schlicht gestalteten, himmelblau und weiß gehaltenen Einband sind ihre biografischen Eckdaten zu lesen - und ein Verlagshinweis: "Die erstaunlich präzisen Textgebilde lassen keine Illusionen mehr." - "Welche Illusionen?", ist man nun geneigt zu fragen. Klare Bilder? Klare Sprache?

Renzlers Texte entziehen sich einem widerhakenlosen Zugang und verweigern sich dem simplen Zusammenhang. Hier werden Assoziationsketten zusammengeschweißt, die in der Aufeinanderfolge ungewöhnlicher Bildsequenzen wieder gebrochen werden. Überhaupt fallen beim ersten Durchblättern des schmalen Bändchens bestimmte Eigenheiten auf. Es wirkt fast kapriziös, dass die Umlaute nicht geschrieben werden (schmecken sie tatsächlich nach Fisch, wie Renzler in einem der Texte schreibt?) oder ein &-Zeichen anstelle des Wortes dasteht.

Sehr eigenwillig

Die eigenwillige Anordnung der Textsegmente unterstreicht die inhaltlichen Bögen, optisch umgesetzt in Ein- oder Zweiwortzeilen, die sich atemlos durch diese Säulen ziehen: "ueber / nacht / stoesst / die / sonne sich / die strahlen / am / morgenstern / wund / um nicht / unterzugehen / im / entflammten / tag"

Thematisch wird vieles gestreift. Es geht um einen subjektiven Blick auf die Welt und um ihre poetische Aneignung vorbei an Natur und Alltag oder verschiedenen Existenzerfahrungen. Alltägliches, scheinbar Gewöhnliches wächst sich plötzlich zum Bedrohlichen aus: "& noch viel / mehr / im regen naemlich / springt / sie / ueber / haende / wiesen / gedanken / bis sie / ein tropfen / erschlaegt" Details werden herangezoomt und lyrisch kartografiert. Auch der Mond zeigt sich hier als zentrales Motiv oder der Blick auf die Sprache: "einnisten / moechte ich / mich / in die / plazenta der / sprache / dort wo / alles anfaengt / & nichts aufhoert / ausser / mir".

Manch schiefes Bild

Warum aber - fragt man sich - manch schiefes Bild, das auch der Schleier der Hermetik nicht zu überdecken vermag? Zum Beispiel die lyrische Bruchlandung des Sommergewitters, das einem Reste "grobpulverigen Schnees von der Kehle" zu räuspern vermag. Auch das nachgesetzte Rot kann das Ganze nicht schlüssiger machen. Vereinzelte sprachliche Unsauberkeiten werden wohl auch eher einem nachlässigen Lektorat anzulasten sein, doch soll darauf nicht kleinlich herumgeritten werden, denn man stößt freilich auch auf kreative Sprachkompositionen. Renzler variiert verschiedene sprachliche Register. Es ist eine Poesie, die ohne große Sentimentalität auskommt und in der das Stakkato der Wahrnehmung und der genaue Blick nebeneinander zu finden sind.

wort-verwandt-schaften

Lyrik von Katja Renzler

Skarabaeus Verlag, Innsbruck 2004

105 Seiten, kart., e 12,40