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Walhall am Heumarkt

"Ihrem Ende eilen sie zu, die so stark im Bestehen sich wähnen", so kommentiert der listige Feuergott Loge den feierlichen Einzug der Götter nach Walhall. Der durch List, Vertragsbruch, Gold-Raub und grenzenlose Machtgier ermöglichte Bau läutet in Wagners Ring-Tetralogie das Ende der Götter ein. Die Planung eines Prestigebaues um jeden Preis wird auch heute nur allzu oft zum Menetekel für Politikerinnen und Politiker. Der Bau des Hochhausprojektes am Wiener Heumarkt am Gelände des Eislaufvereins wurde von den Wiener Grünen trotz parteiinterner Proteste nach einer zweiten Abstimmung beschlossen. Auch die schriftlichen Proteste von Prominenten und Künstlern konnten bisher kein Umdenken bewirken.

Das Areal wurde, zahlreichen Berichten zufolge, zu vergleichsweise günstigen Bedingungen einem Immobilienhändler übertragen. Die Frage, ob städtebauliche Prinzipien geschäftlichen Interessen von Immobilienhaien geopfert werden dürfen, drängte sich von Anfang an auf. "Für Investorenwünsche werde nachträglich ein öffentliches Interesse konstruiert", kritisierte die Wiener Architektenkammer. Kritik gab es vor allem aber über den Entwurf des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld, der wie es im Zeitmagazin formuliert wurde, "einen Stahlbeton-Klotz mitten in das gründerzeitliche Bauensemble knallte".

Die UNESCO droht nun Wien das Weltkulturerbe zu entziehen. Dem städtischen Wildwuchs wäre damit Tür und Tor geöffnet. Bleibt zu hoffen, dass trotz des Rücktritts von Peter Pilz, der sich dem Aufdecken solcher zu hinterfragender Entscheidungen gewidmet hat, dem Bau noch Einhalt geboten wird. Was die Bevölkerung von derartigen grünen Aktivitäten hält, hat sie bei den letzten Wahlen deutlich zu verstehen gegeben. Die verantwortlichen Politiker sollten die Eröffnung ihres Heumarkt-Walhalls noch überdenken.

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