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Heilig und dabei so fesch

Ein Hauch von "Dornenvögel" wehte mit dem deutschen TV-Zweiteiler "Im Namen des Herrn" ins Wohnzimmer, einer Saga um ein bayerisches Benediktinerkloster im Kreuzfeuer der Medien. Anders als hierzulande medial gewohnt, sind die Fernsehpatres aus Bayern heterosexuelle Gutmenschen - bis auf einzelne Ausreißer, die schließlich alle reumütig in den Schoß der Kirche zurückkehren.

Ein wenig zu göttlich ist der Held des Familien-Kloster-Epos, Pater Verimund, unantastbar milde gespielt von Heiner Lauterbach. Der Pater, Sohn der Unternehmerin Hellner, hat nur den Fehler, dass er gar so liebenswert ist. Das findet vor allem die Aufdeckerjournalistin Susan Singer (Jennifer Nitsch) - und verliebt sich in den feschen Pater.

Pater Verimunds Familie kämpft unterdessen mit sich selbst: Der schwule Onkel, die durchgeknallte schöne Schwägerin, der verkracht-versoffene Bruder Frank, die begabte Nichte, die sich schließlich als illegitime Tochter entpuppt - diese Figuren um die Firmenchefin machen einander das Leben schwer.

Wagt der erste Teil nur leise Andeutungen, geht Regisseur Bernd Fischerauer in Teil zwei in die Vollen: Nachdem die Firmenmutter das Zeitliche gesegnet hat und Pater Verimunds Erbteil an das Kloster fällt, enttarnt sich der Finanzchef des Klosters als spielsüchtiger Raffzahn. Er verlegt die Produktion des Unternehmens nach Asien, wo Kinder mit Hungerlöhnen ausgebeutet werden. Der heldenhafte Verimund reist in den Osten, kämpft für süße Kinder gegen widerliche Geschäftemacher. Die Reporterin schmachtet ihn weiterhin an, doch er bleibt hart und nimmt seine Berufung als Abt des Klosters an.

Wohl und Wehe des Paters folgten mehr als ein Drittel der österreichischen Seher. Dass diese Quote mit einer mittelmäßigen Produktion erreicht wurde, lässt nichts Gutes ahnen für die versprochenen ORF-Eigenproduktionen.

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