Drei singende Mönche werden in "Vaya con dios" in Versuchung geführt. Eine nette Idee, die leider an fehlendem Witz und Klischees krankt.

Wir sind Cantorianer. Wir glauben, dass der Heilige Geist Klang ist und dass wir im Gesang bei Gott sind." Vom Babyalter an lebt der junge Mönch Arbo (Daniel Brühl) mit den drei letzten anderen deutschen Cantorianern Benno, Tassilo und Abt Stephan in einem verfallenen Kloster. Wenn die vier singen, scheint der Geist Gottes in ihren Stimmen wirklich für einen Augenblick ins Ohr zu dringen. Zoltan Spirandell, der Regisseur von "Vaya con dios", weiß um die Wirkung des Männerchorals und setzt ihn inflationär ein: im stimmungsvoll beleuchteten Klostergewölbe, zwischen zwei rasenden Schnellzügen oder im Wald. Leider dreht er die ganze Handlung von Anfang an durch den Fleischwolf des nicht gerade subtilen deutschen Humors. Ohne Seilzugpanne kann Abt Stephan (ein sehr schwacher, enttäuschender Traugott Buhre) die Glocke nicht läuten, witzig soll es sein, wenn der dickliche Mönch Tassilo (ein herzlicher Matthias Brenner) seine Ziege Hildegard jagt. Benno (Michael Gwisdek) ist die Rolle des Intellektuell-Kühlen zugedacht.

Eine böse Frau (Bettina Zimmermann) bringt jedoch bittere Wahrheit ins Männeridyll: Abt Stephan hat Kloster und Bibliothek verpfändet - und stirbt nach dem Auftritt der Gläubigerfurie am Herzinfarkt. Sein Vermächtnis an die drei Verbliebenen lautet, den spirituellen Schatz des Klosters, die "Regula Cantorianorum", ins italienische Bruderstift zu bringen.

Den abenteuerlichen Weg des weltfremden Kleeblatts durch die Versuchungen des "wahren Lebens" schildert Spirandell in Holzhammer-Klischees. So kreuzt im Wald die schöne Chiara (Chiara Schoras) ihren Weg. "Bleibt ihr mal stehen, ihr Arschgeigen!": So fordert sie die drei auf, ihr beim Flottmachen des Cabrios zu helfen. Doch schon bald ist sie milder gestimmt: beim reinen Mönchsgesang im Wald schwinden ihr die Sinne. Was dabei im unschuldigen Arbo vorgeht, ist klar. Ebenso die Tatsache, dass der Gesang die drei letztlich wieder auf den richtigen Weg zurück zur "Regula Cantorianorum" führt. Warum freilich Arbo das Kloster schlussendlich verlässt, ist bei Chiara Schoras' schnoddrigem Spiel nicht zu verstehen...

Vaya con dios

D 2002. Regie/Drehbuch: Zoltan Spirandell. Mit Daniel Brühl, Michael Gwisdek, Matthias Brenner, Chiara Schoras. Verleih: Einhornfilm. 106 Min.

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