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Kreuzberger Umbruch

Leander Haußmann zeichnet in "Herr Lehmann" ein Porträt der Berliner Szene zur Zeit der Wende.

Westberlin, Kreuzberg, im Jahr 1989. Ein Sammelsurium aus Philosophen, Künstlern und Studenten tummelt sich in den heruntergekommenen Lokalen. Mitten unter ihnen befindet sich auch Herr Lehmann (Christian Ulmen), dem Bier und nichtssagende Gespräche mit Freunden vollkommen als Lebensinhalt auszureichen scheinen. Doch dann verliebt sich der 29-Jährige unerwartet in die schöne Köchin Katrin (Katja Danowski) und sein bester Freund Karl (Detlev Buck), ein kellnernder Künstler, schläft nicht mehr. Die einfache und bequeme Welt des Herrn Lehmanns gerät zusehends aus den Fugen.

Leander Haußmann zeichnet in "Herr Lehmann", basierend auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Sven Regener, ein Porträt der Kreuzberger Szene und ihrer Repräsentanten. Wie in "Sonnenalle" verbindet Haußmann auch in diesem Film wieder das private mit dem politischen Moment. Justament am 9. November bricht für Herrn Lehmann seine kleine Welt vollends zusammen: Katrin verlässt ihn und Karl hat einen Nervenzusammenbruch. Dass diese Schwelle zu einem neuen Abschnitt im Leben des Protagonisten nicht nur mit dessen 30. Geburtstag, sondern auch mit dem Fall der Mauer zusammentrifft, erscheint aber doch als etwas zu harter Schlag mit dem Symbolik-Hammer.

Bevor aber Herr Lehman tatsächlich beginnt, irgendwo irgendetwas anderes zu tun, lautet sein Kommentar - wie beim Anblick der Bilder des Mauerfalls - wahrscheinlich: "Erst mal austrinken."

HERR LEHMANN

Deutschland 2003. Regie: Leander Haußmann. Mit Christian Ulmen, Detlev Buck, Katja Danowski, Janek Rieke, Margit Bendokat, Adam Oest. Verleih: Filmladen. 105 Min.

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