Küsse und Komplexe

Die Komödie "Der Sohn der Braut" ist ein hochdramatisches Bekenntnis zur Liebe.

Voll Witz, südländischem Charme, und Poesie zeichnet der argentinische Regisseur Juan José Campanella in "Der Sohn der Braut" ein buntes Bild vom Leben mit seinen Höhen, Tiefen und Träumen.

Am Anfang des Films steht ein sonnendurchfluteter, historisierend verfremdeter Blick in die Kindheit zurück, als das Leben noch unbeschwert war: Der kleine Rafael Belvedere jagt - als Zorro verkleidet - seine Freunde. Eine Überblendung des Augenpaares führt ins Heute, zum erwachsenen Rafael (Ricardo Darín). Stumpf hockt er mitten in der Nacht vor dem Fernsehschirm, halbherzig drückt er seine Freundin Naty (Natalia Verbeke) an sich. Rafael ist überarbeitet, nervlich am Ende, hechelt seinem Leben hinterher. Sein Denken kreist um das ewig gleiche Thema: sein Restaurant, das nicht so läuft, wie es sollte.

Der einzige, der noch zu Rafael durchdringt, ist sein Vater Nino (Héctor Alterio). Er ist das Gegenteil des Sohnes, hängt hingebungsvoll an seiner Lebensliebe Norma, die nun mit Alzheimer im Altersheim lebt. Nino besucht sie täglich, während Rafael den Kontakt mit der dementen Mutter meidet. Er leidet darunter, ihr nie entsprochen zu haben. Diesen Minderwertigkeitskomplex zu überwinden, ist Triebfeder seines Lebens. Tragisch genug, dass Norma (Norma Aleandro) den Zeitpunkt, als das Restaurant erfolgreich lief, nie mitbekam. "Idiot!", nennt sie ihn prompt beim ersten Besuch seit Jahren ...

"Der Sohn der Braut" ist ein hochromantisches Bekenntnis zur Liebe. Nino huldigt ihr von Anfang an, Rafael hingegen muss sie erst finden. Bezaubernder Höhepunkt ist die Traumhochzeit der beiden Alten. Eine Trauung, die in die Filmgeschichte eingehen könnte.

Der Sohn der Braut

Argentinien/Spanien 2001. Regie: Juan José Campanella. Mit Ricardo Darín, Héctor Alterio, Norma Aleandro, Eduardo Blanco, Natalie Verbeke, Gimena

Nóbile. Verleih: Filmladen. 123 Min.

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