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Opa lebt zu lang

"Okay" ist das geistreich-witzige Porträt einer herben Sozialarbeiterin, deren Leben durch das Sterben des Vaters aus den Fugen gerät.

Je realistischer eine Geschichte ist, umso stärker ist sie," sagt Jesper D. Nielsen, Regisseur von "Okay". Bewusst wählte er eine sehr alltägliche Bildersprache, umso präziser sind das fulminant witzige Drehbuch (Kim Fupz Aakeson) und die überzeugende Charakterzeichnung. Einzigartig herb verletzlich verkörpert Paprika Steen ("Das Fest") die ruppige Sozialarbeiterin Nete. Sie hat eine messerscharfe Zunge, tausend gewehrsalvenartig vorgebrachte Argumente, immer eine Lösung und ihr Han-dy parat. Ihr softer Mann Kristian (Troels Lyby), ein verhinderter Schriftsteller, scheut jeden Konflikt. Er verdingt sich als Dozent, kocht mit Hingabe und bezieht nie Stellung. Auch den Widerstand der pubertierenden Tochter Kathrine (Molly Blixt Eglind) erstickt Nete im Keim. Dass sie alle dominiert und vor den Kopf stößt, merkt sie nicht. Um sie aus der Bahn zu werfen, muss schon der Vater (Ole Ernst) im Sterben liegen. Den Arzt zwingt sie zur Prognose einer Lebensdauer von drei Wochen, den Vater dazu, bei ihr zu wohnen. Damit beginnt das scheinbar stabile Familiengefüge zu zerfallen.

Die Veränderung kündigt sich früh an: Kristian muss sein Arbeitszimmer räumen, Nete ignoriert seinen Widerstand. In der beengten Situation gären die Konflikte, Opa lebt länger, ordnet sich nicht unter und bildet eine Allianz mit der Enkelin. Auch das von Nete krampfhaft eingeleitete Versöhnungsgespräch mit dem homosexuellen Sohn Martin (Nikolaj Kopernikus) haut nicht hin. Der paradoxe Friedensschluss folgt später: durch die Samenspende für ein Lesbenpärchen wird Martin Vater eines Enkels, was ihn rehabilitiert. Die Anbahnung der komplizierten Zeugung zu dritt zählt zu den witzigsten Szenen des Films. Als Kristian in eine Liaison mit einer Studentin flieht, droht die Ehe zu brechen.

"Okay" ist ein sehr warmer Film, der Unausgesprochenem viel Raum gibt. Kleine Konflikte und Verhaltensmuster des Alltags werden genau registriert, die Charaktere begreifbar. Durch den wesensimmanenten Humor glückt dem Regisseur - und damit dem Film - Beachtliches: nämlich ernste Themen auf erfrischendste, aber nie oberflächliche Art zu behandeln.

Okay Dänemark 2002. Regie: Jesper W.

Nielsen. Mit Paprika Steen, Ole Ernst, Troels Lyby, Nikolaus Kopernikus, Molly Blixt Eglind. Verleih: Filmladen. 93 Min.

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