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Tödliche Schreibattacke

"Die Journalistin" bietet Hochspannung - und wenig Zwischentöne.

Veronica Guerin war ein Aushängeschild der schreibenden Zunft: engagiert, mutig, kompromisslos. Eigenschaften, die die irische Journalistin im Jahr 1996 das Leben kosteten: Nachdem sie in gut recherchierten Artikeln für die "Sunday Independet" die Machenschaften von Dublins Drogenbossen offengelegt hatte, wurde sie am 26. Juni 1996 von Auftragskillern erschossen.

Eine packende, wahre Geschichte - wie gemacht für den Film, und wie gemacht für zwei Experten des spannungsgeladenen Blockbuster-Kinos: Produzent Jerry Bruckheimer ("Con Air", "Armageddon") und Regisseur Joel Schumacher ("Phone Booth", "Falling Down"). Auch bei der Besetzung gingen die beiden kein Risiko ein: Mit Cate Blanchett, die zuletzt in "Elizabeth" und "Heaven" ihr schauspielerisches Format unter Beweis stellen konnte, landeten sie einen Coup.

So glaubthaft die aparte Australierin auch die kämpferische, irische Jeanne d'Arc verkörpert, so selten werden dem Zuseher Einblicke hinter ihre Fassade von Mut und Selbstsicherheit gewährt. Nur einmal, als ihr Drogenboss John Gilligan (genial grausam: Gerard McSorley) am Telefon damit droht, sich an ihrem Sohn zu vergehen und sie umzubringen, bricht die Angst - gut versteckt vor ihren Kollegen - aus ihr hervor. Dass sich ein solches Löwenherz nicht vom besorgten Gatten einbremsen lässt, ein Faible für schnelle Autos hat und mit einem roten Boliden regelmäßig Tempolimits pulverisiert, passt gut ins Bild.

Ein bisschen mehr Mut zur Schwäche, ein etwas weniger tränenlastiges Finale - und dieser solide Politthriller aus dem Hause Buena Vista hätte das Zeug zu einem großen Film gehabt.

DIE JOURNALISTIN

Veronica Guerin

USA 2003. Regie: Joel Schumacher. Mit Cate Blanchett, Gerard McSorley, Ciaran Hinds. Verleih: Buena Vista. 98 Min.

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