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Unkraut vergeht nicht

1945 1960 1980 2000 2020
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"Der bayrische Rebell" und Liedermacher Hans Söllner steht seit über zwei Jahrzehnten in Konflikt mit Polizei und Obrigkeit.

Seine Musik wird von keinem Radiosender gespielt und die Behörden gehen mit unverhältnismäßiger Härte gegen ihn vor: Der Liedermacher Hans Söllner ist ein moderner Till Eulenspiegel, der mit seiner unkonventionellen Lebensweise und seinen derben Späßen aneckt - vor allem daheim in Bayern. Der in Baden bei Wien geborene Regisseur Andy Stiglmayr hat dem Original mit dem Dokumentarfilm "Der bayrische Rebell" ein Denkmal gesetzt. Der Film zeigt den Musiker Söllner - ob vor Tausenden Zuschauern im Reggae-Sound oder im kleinen Rahmen nur mit Gitarrenbegleitung - und berichtet von dem Kampf, den Söllner seit über zwei Jahrzehnten führt: Gegen staatliche Autorität und für die Legalisierung von Marihuana. Anderswo genösse Söllner Narrenfreiheit, doch in Bayern versteht die Obrigkeit keinen Spaß: Seit der Musiker den Innenminister des Freistaates zum Ziel seines Spottes gemacht hat, wird er von der bayrischen Justiz und der bayrischen Polizei regelrecht schikaniert.

Söllner ist ein grundsympathischer und ehrlicher Mensch. Der Film zeigt aber deutlich, warum der Altersschnitt seines Publikum seit zwanzig Jahren bei 15 bis 25 Jahren liegt: Der beinahe 50-Jährige ist in einem pubertären "Die Gesellschaft ist ja so schlecht"-Habitus hängenge blieben, den man für gewöhnlich spätestens mit 25 hinter sich lässt. Manche Seiten an dem Kiffer-Barden sind für einen Außenstehenden eher überraschend. So ist der Spaßvogel in Wahrheit ein tiefgläubiger Mensch, der sogar in der Tradition der schwarzen Musik Amerikas ein Lied im Repertoire hat, in dem er Gott preist. Auch als Grund für seinen Marihuana-Konsum führt er an, Gott damit näher zu kommen. Unerwartete Sympathie schlägt Söllner auf einem "Gaufest" entgegen, wo ihm einige der biertrinkenden Trachtenträger Respekt zollen. Dafür meint ein Konzertbesucher, Söllner solle eine Partei gründen, weil er der ideale "Führer" sei. Der Junge hat irgend etwas grundfalsch verstanden.

DER BAYRISCHE REBELL

D 2003. Buch und Regie: Andy

Stiglmayr. Verleih: Polyfilm. 92 Min.

"Der bayrische Rebell" und Liedermacher Hans Söllner steht seit über zwei Jahrzehnten in Konflikt mit Polizei und Obrigkeit.

Seine Musik wird von keinem Radiosender gespielt und die Behörden gehen mit unverhältnismäßiger Härte gegen ihn vor: Der Liedermacher Hans Söllner ist ein moderner Till Eulenspiegel, der mit seiner unkonventionellen Lebensweise und seinen derben Späßen aneckt - vor allem daheim in Bayern. Der in Baden bei Wien geborene Regisseur Andy Stiglmayr hat dem Original mit dem Dokumentarfilm "Der bayrische Rebell" ein Denkmal gesetzt. Der Film zeigt den Musiker Söllner - ob vor Tausenden Zuschauern im Reggae-Sound oder im kleinen Rahmen nur mit Gitarrenbegleitung - und berichtet von dem Kampf, den Söllner seit über zwei Jahrzehnten führt: Gegen staatliche Autorität und für die Legalisierung von Marihuana. Anderswo genösse Söllner Narrenfreiheit, doch in Bayern versteht die Obrigkeit keinen Spaß: Seit der Musiker den Innenminister des Freistaates zum Ziel seines Spottes gemacht hat, wird er von der bayrischen Justiz und der bayrischen Polizei regelrecht schikaniert.

Söllner ist ein grundsympathischer und ehrlicher Mensch. Der Film zeigt aber deutlich, warum der Altersschnitt seines Publikum seit zwanzig Jahren bei 15 bis 25 Jahren liegt: Der beinahe 50-Jährige ist in einem pubertären "Die Gesellschaft ist ja so schlecht"-Habitus hängenge blieben, den man für gewöhnlich spätestens mit 25 hinter sich lässt. Manche Seiten an dem Kiffer-Barden sind für einen Außenstehenden eher überraschend. So ist der Spaßvogel in Wahrheit ein tiefgläubiger Mensch, der sogar in der Tradition der schwarzen Musik Amerikas ein Lied im Repertoire hat, in dem er Gott preist. Auch als Grund für seinen Marihuana-Konsum führt er an, Gott damit näher zu kommen. Unerwartete Sympathie schlägt Söllner auf einem "Gaufest" entgegen, wo ihm einige der biertrinkenden Trachtenträger Respekt zollen. Dafür meint ein Konzertbesucher, Söllner solle eine Partei gründen, weil er der ideale "Führer" sei. Der Junge hat irgend etwas grundfalsch verstanden.

DER BAYRISCHE REBELL

D 2003. Buch und Regie: Andy

Stiglmayr. Verleih: Polyfilm. 92 Min.