Narziss und Echo - David Martons „Narziss und Echo“ war von 13. bis 15. Juni bei den Wiener Festwochen zu sehen. - © Wiener Festwochen /   Nurith Wagner-Strauss
Musik

Eine Parabel über das Miteinander

1945 1960 1980 2000 2020

Kurzkritik Festwochen

1945 1960 1980 2000 2020

Kurzkritik Festwochen

Nicht den üblichen Trott wiederholen, sondern zu neuen Ufern aufbrechen: Das muss Thema von Festwochen in einer Stadt wie Wien sein, in der das übrige Jahr die konventionelle Kultur blüht. Hier setzt auch eine jüngst von den Wiener Festwochen gezeigte Uraufführung im Museumsquartier an. Die Antike bildet den inspirativen Ausgangspunkt für dieses unkonventionelle Musiktheater: die Metamorphosen des Ovid, konkret das in den Figuren von Echo und Narziss personifizierte Vexierspiel von einem, der in seinem Bild, und einer anderen, die im Klang gefangen ist.

Nicht den üblichen Trott wiederholen, sondern zu neuen Ufern aufbrechen: Das muss Thema von Festwochen in einer Stadt wie Wien sein, in der das übrige Jahr die konventionelle Kultur blüht. Hier setzt auch eine jüngst von den Wiener Festwochen gezeigte Uraufführung im Museumsquartier an. Die Antike bildet den inspirativen Ausgangspunkt für dieses unkonventionelle Musiktheater: die Metamorphosen des Ovid, konkret das in den Figuren von Echo und Narziss personifizierte Vexierspiel von einem, der in seinem Bild, und einer anderen, die im Klang gefangen ist.

Eine Situation, die das Bühnenbild suggeriert: fünf unterschiedlich ausgeleuchtete Glaskäfige in zwei Größen, die im Laufe des Geschehens von den fünf Protagonisten der „Road Opera“ in verschiedene Positionen gebracht werden. Darin zwei Frauen, die sich später als Echo und deren Mutter entpuppen, in der mittleren Kabine, umgarnt von Pflanzen, Narziss, in den beiden weiteren zwei Männer, einer am Klavier, ein anderer an der Trompete.
Sätze in Deutsch, Französisch, Englisch und Latein, zum Teil mit Untertitelung, werden von den Protagonisten der „Road Opera“, für die ­David Marton – aus Ungarn gebürtiger, in Berlin lebender Musiktheaterregisseur – dieses Konzept entworfen hat, quasi in den Raum geschleudert, immer wieder gefolgt von sich wie improvisiert ausnehmender, mehreren Stilen verpflichteter Musik. Das ergibt pointierte Wechselwirkungen und lässt mit dem gezielt auf Lichteffekte setzenden Bühnengeschehen viel Spielraum für subjektive Assoziationen – vornehmlich zum Thema Einsamkeit und ­Isolation.

Wirklich erzählt wird die Geschichte von Narziss und Echo nicht, vielmehr wird sie zur Parabel über die Schwierigkeit des Miteinander überhöht. Selbstliebe – so die Botschaft dieser um die Frage der Identität kreisenden, fünfviertelstündigen Produktion, die vom Publikum Offenheit verlangt und es mit Momenten des Innehaltens und Rätselns konfrontiert – steht jeglichem Miteinander entgegen, lässt eine Gesellschaft nicht zu, aber verzehrt die eigene Person.