Mary said what she said - Von Isabelle Huppert ist zu Beginn der Inszenierung nur ein royal anmutender Schattenriss zu sehen - © Lucie Jansch
Theater

Virtuose Sprechübung für eine weltberühmte Schauspielerin

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Schon vor der Uraufführung im Pariser Théâtre de la Ville wurde „Mary Said What She Said“ mit Weihrauch bedacht. Gespannt erwartete das Publikum Isabelle Huppert, die seit Mai Maria Stuart in der Regie von Robert Wilson verkörpert. Um die weltberühmte Huppert live auf der Bühne zu sehen, gab sich die Wiener Haute­volee letzte Woche ein Stelldichein bei den Festwochen. Sowohl Huppert als auch Wilson gelten als „globale Marken“, ihre Zusammenarbeit ist legendär. 1993 spielte Huppert in Wilsons „Orlando“, dieser trug schon damals den Ruf des „Meisters der Avantgarde“. Zusammen mit Darryl Pinckney hatte Wilson Virginia Woolfs Roman dramatisiert. Diese Dreier-Konstellation ist auch nun – 26 Jahre später – wieder zusammengekommen, um sich der Tragödie von Maria Stuart zu widmen. Pinckney verfasste einen Monolog aus Erinnerungen der schottischen Königin, ihr Rückblick setzt in jenem Moment ein, als Maria erfährt, dass sie von ihrer Cousine Elisabeth I. – der Königin von England – wegen Hochverrats zum Tod verurteilt wurde.

Frei assoziierend lässt Maria ihr Leben Revue passieren und zitiert vier Hofdamen (alle vier ebenfalls den Namen Maria tragend) als Zeuginnen der Ereignisse. So leiten die Worte „Mary said“ so manche Erinnerung an den Hof in Frankreich und in Schottland ein, aber auch so manchen Brief, der Pinckney als Vorlage diente.

Von Huppert ist zu Beginn des Abends kaum mehr als ihr Schattenriss zu sehen. Perfekt sitzt die Halskrause, das Haar ist streng frisiert, ihre Haltung königlich. Man hört nur ihre Stimme, virtuos variiert sie den Rhythmus, wenn sie von der frühen Ehe und Witwenschaft erzählt, von ihrer Zeit als Königin von Frankreich, der zweiten Ehe mit Henry Stuart, seiner Ermordung, ihrer Sehnsucht nach dem einzigen Sohn Jakob sowie von ihrem Tod. Kaum merkbar bewegt sich Huppert im historischen Kleid bis an die Bühnenrampe und tritt ins Licht. In Wilsons Regie werden tiefste Ängste entäußert: Wenn die Verzweiflung am größten ist, reißt Huppert den Mund auf, der Schrei aber kommt entkoppelt aus der Ferne, der Körper bleibt stumm. Die strengen höfischen Rituale werden durch Marias Gedankenströme konterkariert. Wilson zeigt das tragische Ringen einer Königin, von der man jedoch ohne Vorwissen nicht wirklich viel erfährt.

„Mary Said What She Said“ ist ebenso virtuos wie mager, ein Zwiespalt, wie ihn nur Kunst hervorzubringen vermag. Ein solcher Abend kann nur dann ohne Abstriche gefeiert werden, wenn die Reputation bisheriger Leistungen den Ausschlag gibt. Unvoreingenommen betrachtet, handelt es sich beim Korsett der Inszenierung und des Textes um eine Sprechübung für eine Schauspielerin von Weltrang.

Schon vor der Uraufführung im Pariser Théâtre de la Ville wurde „Mary Said What She Said“ mit Weihrauch bedacht. Gespannt erwartete das Publikum Isabelle Huppert, die seit Mai Maria Stuart in der Regie von Robert Wilson verkörpert. Um die weltberühmte Huppert live auf der Bühne zu sehen, gab sich die Wiener Haute­volee letzte Woche ein Stelldichein bei den Festwochen. Sowohl Huppert als auch Wilson gelten als „globale Marken“, ihre Zusammenarbeit ist legendär. 1993 spielte Huppert in Wilsons „Orlando“, dieser trug schon damals den Ruf des „Meisters der Avantgarde“. Zusammen mit Darryl Pinckney hatte Wilson Virginia Woolfs Roman dramatisiert. Diese Dreier-Konstellation ist auch nun – 26 Jahre später – wieder zusammengekommen, um sich der Tragödie von Maria Stuart zu widmen. Pinckney verfasste einen Monolog aus Erinnerungen der schottischen Königin, ihr Rückblick setzt in jenem Moment ein, als Maria erfährt, dass sie von ihrer Cousine Elisabeth I. – der Königin von England – wegen Hochverrats zum Tod verurteilt wurde.

Frei assoziierend lässt Maria ihr Leben Revue passieren und zitiert vier Hofdamen (alle vier ebenfalls den Namen Maria tragend) als Zeuginnen der Ereignisse. So leiten die Worte „Mary said“ so manche Erinnerung an den Hof in Frankreich und in Schottland ein, aber auch so manchen Brief, der Pinckney als Vorlage diente.

Von Huppert ist zu Beginn des Abends kaum mehr als ihr Schattenriss zu sehen. Perfekt sitzt die Halskrause, das Haar ist streng frisiert, ihre Haltung königlich. Man hört nur ihre Stimme, virtuos variiert sie den Rhythmus, wenn sie von der frühen Ehe und Witwenschaft erzählt, von ihrer Zeit als Königin von Frankreich, der zweiten Ehe mit Henry Stuart, seiner Ermordung, ihrer Sehnsucht nach dem einzigen Sohn Jakob sowie von ihrem Tod. Kaum merkbar bewegt sich Huppert im historischen Kleid bis an die Bühnenrampe und tritt ins Licht. In Wilsons Regie werden tiefste Ängste entäußert: Wenn die Verzweiflung am größten ist, reißt Huppert den Mund auf, der Schrei aber kommt entkoppelt aus der Ferne, der Körper bleibt stumm. Die strengen höfischen Rituale werden durch Marias Gedankenströme konterkariert. Wilson zeigt das tragische Ringen einer Königin, von der man jedoch ohne Vorwissen nicht wirklich viel erfährt.

„Mary Said What She Said“ ist ebenso virtuos wie mager, ein Zwiespalt, wie ihn nur Kunst hervorzubringen vermag. Ein solcher Abend kann nur dann ohne Abstriche gefeiert werden, wenn die Reputation bisheriger Leistungen den Ausschlag gibt. Unvoreingenommen betrachtet, handelt es sich beim Korsett der Inszenierung und des Textes um eine Sprechübung für eine Schauspielerin von Weltrang.