Eine österreichische Seele

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Zoglauer über seinen Schulfreund André Heller und die heilsame Kraft der Fantasie.

1945 1960 1980 2000 2020

Franz Zoglauer über seinen Schulfreund André Heller und die heilsame Kraft der Fantasie.

„Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ war die perfekt gemachte Verfilmung von André Hellers Ängsten und Psychosen der 1950er Jahre. Ein starkes Lebenszeichen vom Meister beweglicher Körper und geheimnisvoller exotischer Blumen und Zaubergärten. Der Heller Franzi, wie wir, seine Mitschüler und Freunde aus Volksschulzeiten, ihn nannten, war schlauer und tüchtiger, als es die Zuckerldynastiker seiner Familie wahrhaben wollten. Er machte der Frau Lehrerin weis, dass die Rax, der Hausberg der Wiener, sich im Besitz seiner Familie befinde, er verkaufte Kugelschreiber an seine Mitschüler, und er half dem Mesner beim Geldsammeln mit Klingelbeutel im Gottesdienst.

Mit 14 Jahren spielte der Franzi in der Hietzinger Pfarre bei meinem ersten Regieversuch Szenen aus dem romantischen Zaubermärchen „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“ des von uns so geliebten Ferdinand Raimund, wie etwa die Rollen des alten, verbohrten Waldbauern und späteren Millionärs Fortunatus Wurzel oder des hohen Alters. So richtig jung sein wollten wir damals ohnehin nie. Arthur Schnitzlers Wort vom jugendlichen Greis prägte das triste, graue, noch ziemlich zerbombte Nachkriegswien, war uns vertrauter als jugendliche Ausgelassenheit und Discosound.

Ein paar Jahre später verwandelte sich der Franzi in den Ö3-Star André, wurde zum Mitbegründer dieses ersten heimischen Popsenders, Multimediakünstler, Feuerwerker und noch vieles mehr. Das Schöne, das Fantasievolle, das Freche: Das war Balsam für Andrés wunde österreichische Seele. Vielleicht ist eines seiner vitalen Projekte mit dem einen oder anderen Lockdown kompatibel. Es wäre heilsam für unsere geschundenen, von Fantasie- und Geschmacklosigkeit geplagten Seelen.

Der Autor ist freier Journalist.

„Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ war die perfekt gemachte Verfilmung von André Hellers Ängsten und Psychosen der 1950er Jahre. Ein starkes Lebenszeichen vom Meister beweglicher Körper und geheimnisvoller exotischer Blumen und Zaubergärten. Der Heller Franzi, wie wir, seine Mitschüler und Freunde aus Volksschulzeiten, ihn nannten, war schlauer und tüchtiger, als es die Zuckerldynastiker seiner Familie wahrhaben wollten. Er machte der Frau Lehrerin weis, dass die Rax, der Hausberg der Wiener, sich im Besitz seiner Familie befinde, er verkaufte Kugelschreiber an seine Mitschüler, und er half dem Mesner beim Geldsammeln mit Klingelbeutel im Gottesdienst.

Mit 14 Jahren spielte der Franzi in der Hietzinger Pfarre bei meinem ersten Regieversuch Szenen aus dem romantischen Zaubermärchen „Das Mädchen aus der Feenwelt oder Der Bauer als Millionär“ des von uns so geliebten Ferdinand Raimund, wie etwa die Rollen des alten, verbohrten Waldbauern und späteren Millionärs Fortunatus Wurzel oder des hohen Alters. So richtig jung sein wollten wir damals ohnehin nie. Arthur Schnitzlers Wort vom jugendlichen Greis prägte das triste, graue, noch ziemlich zerbombte Nachkriegswien, war uns vertrauter als jugendliche Ausgelassenheit und Discosound.

Ein paar Jahre später verwandelte sich der Franzi in den Ö3-Star André, wurde zum Mitbegründer dieses ersten heimischen Popsenders, Multimediakünstler, Feuerwerker und noch vieles mehr. Das Schöne, das Fantasievolle, das Freche: Das war Balsam für Andrés wunde österreichische Seele. Vielleicht ist eines seiner vitalen Projekte mit dem einen oder anderen Lockdown kompatibel. Es wäre heilsam für unsere geschundenen, von Fantasie- und Geschmacklosigkeit geplagten Seelen.

Der Autor ist freier Journalist.

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