Klartext

Ausgetrickste Trickser

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Nach wie vor herrscht angesichts des Aufstiegs populistischer Bewegungen und Personen zuweilen faszinierte Fassungslosigkeit. Aber es ist mittlerweile Stand des Wissens, ein Syndrom von Phänomenen aufzuzählen, welches zur Erklärung des Wählerverhaltens dienen soll: Reaktion auf Globalisierung, durchlebte oder fiktive Abstiegsängste, Sorge um den Verlust des staatlichen Garantismus, Konkurrenzerfahrungen durch Migration, Entfremdung durch urban-linken Hochmut, Erleben von Terror und Kriminalität usw.
In das politische Vakuum konnten die Trickser eindringen. Sie konnten Ordnung und Sicherheit versprechen, mit Milliarden winken, den Wiedergewinn von Werten und Heimat beschwören, Soziales ankündigen und Irreales erzählen. Stärke vorführen, Selbstinteresse betonen, sich in die Brust werfen. Und natürlich die Entertainment-Komponente nicht vergessen: eine ordentliche Dosis von Maulheldentum und bewusste Korrektheitsverstöße. Ein wilder Hund, der Trump. Er zieht es durch, der Johnson. Lässt sich von Brüssel nichts sagen, der Salvini.

Mit der Sorge um Demokratie, Rechtsstaat und Liberalität schaut man beinahe schon ein bisschen „gestrig“ aus. Aber vielleicht ist doch das Rettende nah. Salvini, der würdige Erbe Berlusconis, hat sich (zunächst einmal) selbst überdribbelt. Beim wuscheligen Boris aus dem wenig lebensnahen Oxford gehen nicht alle strategischen Spielchen auf. Der Sultan ist mit einem unbotmäßigen Istanbul konfrontiert. Bolsonaro tut wenigstens, als ob er ein bisschen einlenkt. Was in Washington herauskommt, außer dem kräftigen Ansehens- und Machtverlust der USA, wissen wir noch nicht. Aber die Methode, einfach den Hardliner zu spielen, der sich an keine Regeln halten muss und damit durchkommt, scheint (wenigstens manchmal) doch zu scheitern. Vielleicht ist der Westen noch zu retten, wenigstens für ein paar Jahrzehnte.

Der Autor ist Professor für Soziologie an der Universität Graz

Nach wie vor herrscht angesichts des Aufstiegs populistischer Bewegungen und Personen zuweilen faszinierte Fassungslosigkeit. Aber es ist mittlerweile Stand des Wissens, ein Syndrom von Phänomenen aufzuzählen, welches zur Erklärung des Wählerverhaltens dienen soll: Reaktion auf Globalisierung, durchlebte oder fiktive Abstiegsängste, Sorge um den Verlust des staatlichen Garantismus, Konkurrenzerfahrungen durch Migration, Entfremdung durch urban-linken Hochmut, Erleben von Terror und Kriminalität usw.
In das politische Vakuum konnten die Trickser eindringen. Sie konnten Ordnung und Sicherheit versprechen, mit Milliarden winken, den Wiedergewinn von Werten und Heimat beschwören, Soziales ankündigen und Irreales erzählen. Stärke vorführen, Selbstinteresse betonen, sich in die Brust werfen. Und natürlich die Entertainment-Komponente nicht vergessen: eine ordentliche Dosis von Maulheldentum und bewusste Korrektheitsverstöße. Ein wilder Hund, der Trump. Er zieht es durch, der Johnson. Lässt sich von Brüssel nichts sagen, der Salvini.

Mit der Sorge um Demokratie, Rechtsstaat und Liberalität schaut man beinahe schon ein bisschen „gestrig“ aus. Aber vielleicht ist doch das Rettende nah. Salvini, der würdige Erbe Berlusconis, hat sich (zunächst einmal) selbst überdribbelt. Beim wuscheligen Boris aus dem wenig lebensnahen Oxford gehen nicht alle strategischen Spielchen auf. Der Sultan ist mit einem unbotmäßigen Istanbul konfrontiert. Bolsonaro tut wenigstens, als ob er ein bisschen einlenkt. Was in Washington herauskommt, außer dem kräftigen Ansehens- und Machtverlust der USA, wissen wir noch nicht. Aber die Methode, einfach den Hardliner zu spielen, der sich an keine Regeln halten muss und damit durchkommt, scheint (wenigstens manchmal) doch zu scheitern. Vielleicht ist der Westen noch zu retten, wenigstens für ein paar Jahrzehnte.

Der Autor ist Professor für Soziologie an der Universität Graz