Klartext

Das Richtige tun

1945 1960 1980 2000 2020

Corona verlangt einen strukturellen Umbau in der Gesellschaft.

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Corona verlangt einen strukturellen Umbau in der Gesellschaft.

Das Handeln von Menschen ist beeinflusst durch ein Gemenge von Faktoren: Preise, Gewohnheiten, sozialer Status, Infrastrukturen. Gleichzeitig wollen die meisten Menschen das Richtige tun. Viele der Strukturen im Vor-Corona-Normalbetrieb wiesen aber aufgrund von fehlender Kostenwahrheit und historisch ausgehandelter Handelsbeziehungen eine schiefe Ebene gegen nachhaltiges Handeln auf. Oftmals verwiesen Entscheidungsträger darauf, dass Individuen (trotz gegenläufiger Anreize) sich für nachhaltiges Handeln entscheiden sollten, was ein Kategorienfehler ist. Politische Entscheidungsträger sind für die ökonomischen Strukturen verantwortlich. Diese müssen geändert werden.

Die Krise zeigt die Problemzonen klar auf. Besonders viele Sars-Cov-2 Infizierte waren auf Schlachthöfen, in dicht gefüllten Tourismusregionen, unter Leiharbeitern ohne adäquate soziale Absicherung, in Kohlebergwerken und in schlecht vor Virusverbreitung geschützten Pflegeheimen zu finden. Soziale Absicherung und gute Arbeitsbedingungen sind wichtig für die Betroffenen, aber auch für die Resilienz und Nachhaltigkeit des Wirtschaftssystems. Was vorher für einzelne problematisch war, wurde während der Covid-19-Gesundheitskrise zum Risiko für alle.

Das Richtige tun, bedeutet für die Politik, die kurz- und langfristigen Herausforderungen gleichzeitig anzugehen. Dies gelingt, wenn bei der Bearbeitung der Gesundheitskrise die Anforderungen langfristiger Transformationsaufgaben in den Blick genommen und Synergiepotenziale zwischen den unterschiedlichen Zielen gefunden werden. Werden Maßnahmen für den wirtschaftlichen Neustart auf Nachhaltigkeit und Resilienz ausgerichtet, kann jetzt die Politik und können in Zukunft alle das Richtige tun und das Falsche lassen.

Die Autorin ist Professorin für Umweltökonomie und -politik an der WU Wien.