Nachruf

Ein Sozialdemokrat der alten Schule

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Der frühere ÖGB-Präsident und Ex-Sozialminister Rudolf Hunds­torfer ist am Dienstag unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben. Die Nachricht seines Todes sorgte für Bestürzung über die Parteigrenzen hinaus. Von allen Seiten finden sich seither emotionale Reaktionen in Medien und sozialen Netzwerken. Weggefährten beschreiben den verstorbenen SPÖ-Politiker als sympathisch und charmant, manchmal auch verbissen und jähzornig, aber immer mit Handschlagqualität. Unverwechselbar machte ihn sein Wiener Schmäh. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner und Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda ehrten Hundstorfer als „einen großen Sozialdemokraten und wahren Menschenfreund, der unschätzbar Wichtiges zur Verbesserung des Lebens der Menschen geleistet hat“. Auch Bundespräsident Alexander van der Bellen erinnert sich an den verstorbenen Sozialminister als einen „umgänglichen und heiteren Menschen, der mit allen reden konnte, mit Arbeiterinnen und Arbeitern genauso wie mit Spitzenpolitikerinnen und -politikern“.

Hundstorfer2 - Rudolf Hundstorfer (1951-2019) - © APA / Herbert P. Oczert
© APA / Herbert P. Oczert

Rudolf Hundstorfer (1951-2019)

Selbst aus einfachen Verhältnissen stammend, besaß Hundstorfer ein Gespür für die Menschen und trat als glaubwürdiger Kämpfer für jene ein, die es im Leben nicht so leicht hatten. Der gelernte Bürokaufmann arbeitete sich im Wiener Magistrat bis zum Gemeinderatspräsidenten hoch. Früh engagierte er sich bei der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten, deren Vorsitzender er später wurde. Nach der Bawag-Affäre übernahm Hundstorfer 2006 den angeschlagenen Gewerkschaftsbund und arbeitete daran, dessen Image zu retten. Zwei Jahre später holte ihn Werner Faymann als Sozialminister in die Regierung. In dieser Funktion machte sich der leidenschaftliche Großkoalitionär vor allem rund um die Finanzkrise verdient, als er mit den Sozialpartnern Kurzarbeit förderte und Programme für Jugendbeschäftigung umsetzte.

Bei der Bundespräsidentschaftswahl 2016 blieb ihm das höchste Amt im Staat zur Krönung seiner politischen Karriere verwehrt. Im Medienwahlkampf konnte der Sozialdemokrat der alten Schule nicht punkten. Präsident wurde er dann wenige Monate später doch noch, und zwar jener der Bundessportorganisation. Seinen letzten öffentlichen Auftritt absolvierte er als Präsident der Volkshilfe erst vergangene Woche. Bis zum Schluss blieb Hundstorfer seiner sozialen Ader treu.

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