Martin Blumenau - © Foto: Davina Brunnbauer

Martin Blumenau: Abschied eines scharfen Geistes

1945 1960 1980 2000 2020

Martin Blumenau, ebenso prägender wie streitbarer (Pop)-Journalist sowie Miterfinder des Radiosenders FM4, ist mit 60 Jahren seiner Krebserkrankung erlegen.

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Martin Blumenau, ebenso prägender wie streitbarer (Pop)-Journalist sowie Miterfinder des Radiosenders FM4, ist mit 60 Jahren seiner Krebserkrankung erlegen.

Er war eine fixe Größe für alle, die sich in Österreich für Popmusik und Populärkultur interessierten: Martin Blumenau glänzte mit seinen ebenso leidenschaftlichen wie wohlfundierten Analysen, eckte aber auch an mit seinen unerbittlichen Urteilen, die mitunter nicht der gängigen Meinung entsprachen. Nun ist der Journalist und Radiomoderator im Alter von nur 60 Jahren an Krebs verstorben.

Nach Anfängen beim Kurier und der AZ stieß Blumenau 1983 zu Ö3, wo er unter anderem für die „Musicbox“ und „Zickzack“ arbeitete. Er gehörte zu jener Dreiergruppe, die das Konzept für den Jugendkulturradiosender FM4 ausarbeitete, der 1995 erstmals on air ging und maßgeblich von Blumenau geprägt wurde.

Mit der Musikwunschsendung „Zimmerservice“ und der Anrufsendung „Bonustrack“ polarisierte er die Hörerschaft. Er verriss gnadenlos Platten, die sich im FM4-Universum großer Beliebtheit erfreuten und kickte Anrufer, die in seinen Augen Unsinn redeten, erbarmungslos aus der Leitung. Nach seinem Tod berichteten in Online-Foren zahlreiche ehemalige Anrufer, dass sie die verbale Abreibung, die ihnen Blumenau verpasst hatte, im Nachhinein als lehrreich betrachteten. Glaubt man seinen Kollegen von FM4, so war der aggressive Provokateur jedoch nur eine Kunstfigur. Im wirklichen Leben war Blumenau ein hilfsbereiter und herzlicher Mensch.

Intellektuell gegen Intellektualismus

Martin Blumenau war ein scharfer Geist, ein Intellektueller, dem allerdings übertriebener Intellektualismus gegen den Strich ging. Er sah die Popkultur als Begleiter und Antreiber gesellschaftlicher Debatten, war sich aber auch bewusst, dass dieser Einfluss – zumal in der zunehmend zersplitterten, komplexen und global vernetzten Gegenwart – begrenzt ist, wie er im Mai 2019 in einem umfangreichen Interview mit der FURCHE einräumte. Neben der Musik war Fußball seine zweite große Leidenschaft. Blumenau gilt als Pionier des modernen Fußballjournalismus in Österreich. Er war hierzulande der erste, der in seinem Blog taktische Analysen präsentierte, wie sie mittlerweile selbstverständlich geworden sind – und der stets auch den gesellschaftlichen und politischen Kontext thematisierte, in den dieser Sport eingebettet ist.

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