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Politik

Bravo, Mr. Weltverbesserer!

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Friedens-Nobelpreis für Jimmy Carter - da winden sich die "Realos" und Weltverbesserungs-Verächter aller Couleurs und auf weltmännischen Denkerstirnen ziehen Spott- und Sorgenfalten auf. Der Erdnussfarmer im Weißen Haus! Der Southern Baptist, der auch als Präsident der USA auf Predigerkanzeln stieg! Der Naivling, der Diktatoren gegenüber von Menschenrechten zu reden begann! Der Sozialhelfer, der als Ex-Präsident mit eigener Hand Häuser für Arme baute, statt sich auf Golfplätzen und Snob Events zu vergnügen! Jimmy Carter also. Mir fällt ein "Bravo!" selten so leicht wie dieses Mal.

"Glücklosigkeit" sagt man ihm als Präsidenten nach. Aber sind nur Glückpilze Helden? Was kann er dafür, dass die zur Befreiung amerikanischer Diplomaten in Teheran ausgeschickten Hubschrauber von einem Sandsturm vernichtet wurden? Aber dass er 1978 in Camp David einen Friedensschluss zwischen Israel und Ägypten erzwang und damit einen weiteren großen Nahostkrieg unmöglich machte, soll vergessen sein? Vielleicht, weil er mit den Kontrahenten nicht nur politisch rang, sondern auch betete? Dass er den Panama-Kanal aus hundertjähriger US-Oberhoheit entließ, hat seinem Land nicht geschadet, aber mehr Respekt in Lateinamerika eingebracht als hundert heuchlerische Tischreden bei Staatsbesuchen.

Nach seiner Abwahl vermittelte er zwischen Peking und Tibet, im äthiopischen Rebellenkrieg, bei den Konflikten in Nicaragua und Bosnien. Er stellte sich den kommunistischen Machthabern in Nordkorea und dem Diktator in Kuba. Niemand kann ihm Verrat an demokratischen Positionen vorwerfen - nur zuviel "Blauäugigkeit". Aber hat der kalte "Realismus" seiner Kritiker in allen diesen Konfliktfeldern mehr gebracht? Bringt uns das unmoralische, unsensible, risikoreiche Raketenrasseln von Präsident Bush dem Weltfrieden näher als die angebliche Naivität des Nuklearingenieurs und U-Boot-Offiziers aus Plains in Georgia?

Sorry, ich bleibe dabei: Bravo, Mister Weltverbesserer!

Der Autor ist freier Publizist.