Politik

Christlich-soziale Widersprüche

1945 1960 1980 2000 2020

Eine Buchrezension des neu erschienenen Sammelbandes „Christlich-soziale Signaturen“ der Politischen Akademie.

1945 1960 1980 2000 2020

Eine Buchrezension des neu erschienenen Sammelbandes „Christlich-soziale Signaturen“ der Politischen Akademie.

„Wenn über moralisch-politische Sachverhalte gesprochen wird, pflegt es von Leerformeln zu wimmeln“, schreibt Manfred Prisching, Soziologe, Edelfeder und FURCHE-Kolumnist, im neuen Sammelband „Christlich-soziale Signaturen“ der Politischen Akademie. „Soziale Gerechtigkeit“ sei etwa eine „großartige, moralisch und politisch vielfach brauchbare Forderung“, weil sich jeder darunter etwas anderes vorstellen könne: Mindestsicherung senken oder erhöhen, Pensionen garantieren oder einbremsen – je nach Gusto. Was Prisching an einem Beispiel aus dem roten Universum durchdekliniert, gilt freilich auch für die im türkisen Kosmos beliebteren Begriffe: Freiheit, Verantwortung, Subsidiarität oder Leistung.

Auch hier schillert es, auch hier droht der Absturz in den Floskelnihilismus. Dass das neue Buch aus der Tivoligasse dennoch so anregend wurde, ist einer beeindruckenden Breite in der Autorenschaft (viele mit FURCHE-Bezug) zu verdanken: Clemens Sedmak findet sich ebenso wie Matthias Beck, Ingeborg Gabriel und Regina Polak ebenso wie Rudolf Mitlöhner und Martin Rhonheimer. Während etwa Polak davor warnt, christliche Werte als kulturelle Identitätsmarker zur Ab- oder Ausgrenzung zu verwenden, gefällt sich Rhonheimer einmal mehr im Kampf gegen den „Zeitgeist“ im Allgemeinen und Papst Franziskus im Besonderen. Politik für den Menschen brauche „weder ,christlich‘ noch ,sozial‘ zu sein“, so Rhonheimer – und vom „Fehler“, eine eigene Wirtschafts- und Soziallehre zu entwickeln, habe sich die kirchliche Soziallehre „bis heute nicht erholt“. Nichts für schwache Nerven.

„Wenn über moralisch-politische Sachverhalte gesprochen wird, pflegt es von Leerformeln zu wimmeln“, schreibt Manfred Prisching, Soziologe, Edelfeder und FURCHE-Kolumnist, im neuen Sammelband „Christlich-soziale Signaturen“ der Politischen Akademie. „Soziale Gerechtigkeit“ sei etwa eine „großartige, moralisch und politisch vielfach brauchbare Forderung“, weil sich jeder darunter etwas anderes vorstellen könne: Mindestsicherung senken oder erhöhen, Pensionen garantieren oder einbremsen – je nach Gusto. Was Prisching an einem Beispiel aus dem roten Universum durchdekliniert, gilt freilich auch für die im türkisen Kosmos beliebteren Begriffe: Freiheit, Verantwortung, Subsidiarität oder Leistung.

Auch hier schillert es, auch hier droht der Absturz in den Floskelnihilismus. Dass das neue Buch aus der Tivoligasse dennoch so anregend wurde, ist einer beeindruckenden Breite in der Autorenschaft (viele mit FURCHE-Bezug) zu verdanken: Clemens Sedmak findet sich ebenso wie Matthias Beck, Ingeborg Gabriel und Regina Polak ebenso wie Rudolf Mitlöhner und Martin Rhonheimer. Während etwa Polak davor warnt, christliche Werte als kulturelle Identitätsmarker zur Ab- oder Ausgrenzung zu verwenden, gefällt sich Rhonheimer einmal mehr im Kampf gegen den „Zeitgeist“ im Allgemeinen und Papst Franziskus im Besonderen. Politik für den Menschen brauche „weder ,christlich‘ noch ,sozial‘ zu sein“, so Rhonheimer – und vom „Fehler“, eine eigene Wirtschafts- und Soziallehre zu entwickeln, habe sich die kirchliche Soziallehre „bis heute nicht erholt“. Nichts für schwache Nerven.

Christlich soziale Signaturen - © Foto: edition noir
© Foto: edition noir
Buch

Christlich-soziale Signaturen

Grundlagen einer politischen Debatte
Von Bettina Rausch und Simon Varga (Hg.)
edition noir 2020. 452 S., brosch., € 14,90