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Religion

Nimm und lies - aber quer!

1945 1960 1980 2000 2020
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Josef Bruckmoser folgt Bert Brecht. Antwortete der Dramatiker auf die Frage, welches Buch ihn am meisten beeindruckt, mit: "Sie werden lachen: die Bibel." Analog regt der Journalist dazu an, einen neuen Blick auf die Protagonisten im Buch der Bücher zu werfen. Den Rat, die biblischen Geschichten neu und quer zu lesen, hat der Theologe und Salzburger Nachrichten-Redakteur selbst beherzigt.SeinerProfessionfolgendsinddaraus "quergeschriebene Bibelgeschichten" entstanden, die "Von Engeln, Helden und Menschen" handeln.

Handeln lässt Bruckmoser die biblischen Gestalten, indem er sie reden lässt. Über sich, über ihren Glauben, über ihr meist nicht einfaches Verhältnis zu Gott, zu Jesus. Mit Ausnahme des Paulus verbindet diese biblischen Engel, Helden, Menschen, dass sie wichtige Rollen auf der Heilsgeschichte-Bühne spielen, dabei aber kaum etwas sagen. Beispiel Maria: Ohne das Magnificat im Lukasevangelium wäre ihre Besetzung eine Stummfilm-Rolle. Im Johannesevangelium sagt Maria zwei Sätze: "Sie haben keinen Wein mehr." Und: "Was er euch sagt, das tut!"

Für Bruckmoser ist das zu wenig. Bruckmoser folgt Brecht. Bruckmoser baut Maria zur Sprechrolle aus. Maria darf reden, wie das für eine Gottesmutter so ist mit einem zuerst pubertierenden und auch später keineswegs pflegeleichten Menschenkind. Vorher darf das der Erzengel Gabriel. Sein Job mit Maria war laut Bruckmoser ebenfalls alles andere als eine "gemähte Verkündigungswiese". Von Erzengel-Kollegen Michael, dem mit dem Schwert, der auch gerne einmal "Good Cop" sein möchte, ganz zu schweigen. Und mit den Zweifeln der jüdischen Volksheldin Judit, die ebenfalls mit scharfer Klinge den Kopf des Feindes abschlägt, schafft es Bruckmoser sogar einen aktuellen Bezug zu Religion und Terror herzustellen.

Exegese ist immer auch Eisegese. Auslegen ist immer auch Hineinlegen. Bruckmoser macht beides. Und macht die biblischen Gestalten damit wieder lebendig und fordert dazu auf: "Nimm, lies!"

Josef Bruckmoser folgt Bert Brecht. Antwortete der Dramatiker auf die Frage, welches Buch ihn am meisten beeindruckt, mit: "Sie werden lachen: die Bibel." Analog regt der Journalist dazu an, einen neuen Blick auf die Protagonisten im Buch der Bücher zu werfen. Den Rat, die biblischen Geschichten neu und quer zu lesen, hat der Theologe und Salzburger Nachrichten-Redakteur selbst beherzigt.SeinerProfessionfolgendsinddaraus "quergeschriebene Bibelgeschichten" entstanden, die "Von Engeln, Helden und Menschen" handeln.

Handeln lässt Bruckmoser die biblischen Gestalten, indem er sie reden lässt. Über sich, über ihren Glauben, über ihr meist nicht einfaches Verhältnis zu Gott, zu Jesus. Mit Ausnahme des Paulus verbindet diese biblischen Engel, Helden, Menschen, dass sie wichtige Rollen auf der Heilsgeschichte-Bühne spielen, dabei aber kaum etwas sagen. Beispiel Maria: Ohne das Magnificat im Lukasevangelium wäre ihre Besetzung eine Stummfilm-Rolle. Im Johannesevangelium sagt Maria zwei Sätze: "Sie haben keinen Wein mehr." Und: "Was er euch sagt, das tut!"

Für Bruckmoser ist das zu wenig. Bruckmoser folgt Brecht. Bruckmoser baut Maria zur Sprechrolle aus. Maria darf reden, wie das für eine Gottesmutter so ist mit einem zuerst pubertierenden und auch später keineswegs pflegeleichten Menschenkind. Vorher darf das der Erzengel Gabriel. Sein Job mit Maria war laut Bruckmoser ebenfalls alles andere als eine "gemähte Verkündigungswiese". Von Erzengel-Kollegen Michael, dem mit dem Schwert, der auch gerne einmal "Good Cop" sein möchte, ganz zu schweigen. Und mit den Zweifeln der jüdischen Volksheldin Judit, die ebenfalls mit scharfer Klinge den Kopf des Feindes abschlägt, schafft es Bruckmoser sogar einen aktuellen Bezug zu Religion und Terror herzustellen.

Exegese ist immer auch Eisegese. Auslegen ist immer auch Hineinlegen. Bruckmoser macht beides. Und macht die biblischen Gestalten damit wieder lebendig und fordert dazu auf: "Nimm, lies!"