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Feuilleton

"Bin im Dunklen aufgewachsen"

1945 1960 1980 2000 2020

Margarethe von Trottas neuer Film "Die abhandene Welt" handelt von einer Frau, die erst als Erwachsene erfährt, dass sie eine Schwester hat. Es ist auch von Trottas eigene Geschichte.

1945 1960 1980 2000 2020

Margarethe von Trottas neuer Film "Die abhandene Welt" handelt von einer Frau, die erst als Erwachsene erfährt, dass sie eine Schwester hat. Es ist auch von Trottas eigene Geschichte.

In "Die abhandene Welt" schickt Margarethe von Trotta ihre Protagonistin Sophie (Katja Riemann) auf Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit. Weil ihr Vater (Matthias Habich) im Internet zufällig ein Foto der US-Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa) gefunden hat, die seiner verstorbenen Ehefrau Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht, schickt sie sich an, die Sängerin in New York mit der eigenen Familiengeschichte zu konfrontieren. Sophie hat eine Schwester, von der sie bislang nichts wusste. Das Schicksal ist ähnlich jenem von Margarethe von Trotta. Auch sie hat erst spät erfahren, dass sie eine Halbschwester hat. Richtig stimmig ist das ganze Verwirrspiel nicht, weil sich Trotta immer wieder in platten Dialogen und haarsträubenden Wendungen ergeht. Als Aufarbeitung eigener Befindlichkeiten taugt "Die abhandene Welt" aber allemal.

Die Furche: Von "Schwestern oder Die Balance des Glücks" bis zu "Die bleierne Zeit": Sie haben oft über Geschwister erzählt -und erfuhren spät, dass Sie eine Schwester haben.

Margarethe von Trotta: Meine Mutter hatte Alzheimer, und ich hätte schon stutzig werden müssen, als sie mich einmal fragte, wie es denn meiner Schwester ginge. Ich hatte nie in der eigenen Vergangenheit geforscht.

Das ist mir wie mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen worden, als mir eines Tages eine mir unbekannte Frau verriet, dass sie meine Schwester ist. Danach haben wir das alles aufgearbeitet.

Die Furche: In "Die abhandene Welt" ist der Zustand des Erforschens von Katja Riemanns Figur ein permanentes Verwirrspiel.

Trotta: So sind nun einmal Familiengeheimnisse. Ich bin damit groß geworden. Ich wusste zum Beispiel lange nicht, dass meine Eltern gar nicht verheiratet waren. Und dann die Sache mit meiner Schwester. Ich habe tatsächlich das Gefühl, ich bin im Dunklen aufgewachsen, nicht nur,weil die Nachkriegszeit eine dunkle Zeit war und meine allerersten Erinnerungen das Schwarz der Luftschutzkeller in Berlin sind. Vielleicht führt das dann dazu, dass man gerne in den Dingen rumstochert.

Die Furche: Sie haben es trotz etlicher Widrigkeiten zur bekanntesten Filmemacherin Deutschlands geschafft.

Trotta: Weil ich früher als Schauspielerin arbeitete, traute man mir keine Filmregie zu. Beim Hessischen Rundfunk sagte man mir, als ich mein erstes Drehbuch fertig hatte: "Aber Frau Schlöndorff, wieso wollen sie ihre Karriere denn ändern? Sie haben doch immer so schön gespielt. Und Ihr Mann macht die Regie. So war das doch immer gut".

Die Furche: Schlöndorff, damals Ihr Ehemann, konnte Ihnen gar nicht "helfen"?

Trotta: Doch, beim WDR. Dort hatten die gesehen, dass ich bei "Katharina Blum" mitinszeniert hatte. Die haben mir dann die Chance gegeben. Doch selbst da musste Volker intervenieren

Die Furche: und Sie Ihre eigene Handschrift finden. Wie sieht diese aus?

Trotta: Schwer zu sagen. Man kann einen Maler nicht fragen, warum er gerade das malt. Es muss etwas in einem vorhanden sein, aber der Vorgang der Veräußerung ist nicht immer ganz klar. Vieles meiner Arbeit ist bestimmt von einem Gefühl. Ich glaube einfach nicht, dass man das Schreiben von Drehbüchern lernen kann. Das muss aus einem entstehen.

Die Furche: Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jeder Film, den Sie machen, ihr erster ist.

Trotta: Absolut! Und ich bin auch jedes Mal davon überzeugt, dass ich es nicht schaffe. Aber Schwierigkeiten konnten mich noch nie bremsen.

Die abhandene Welt D 2015. Regie: Margarethe von Trotta. Mit Katja Riemann, Barbara Sukowa. Filmladen. 101 Min.

In "Die abhandene Welt" schickt Margarethe von Trotta ihre Protagonistin Sophie (Katja Riemann) auf Entdeckungsreise in die eigene Vergangenheit. Weil ihr Vater (Matthias Habich) im Internet zufällig ein Foto der US-Opernsängerin Caterina Fabiani (Barbara Sukowa) gefunden hat, die seiner verstorbenen Ehefrau Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht, schickt sie sich an, die Sängerin in New York mit der eigenen Familiengeschichte zu konfrontieren. Sophie hat eine Schwester, von der sie bislang nichts wusste. Das Schicksal ist ähnlich jenem von Margarethe von Trotta. Auch sie hat erst spät erfahren, dass sie eine Halbschwester hat. Richtig stimmig ist das ganze Verwirrspiel nicht, weil sich Trotta immer wieder in platten Dialogen und haarsträubenden Wendungen ergeht. Als Aufarbeitung eigener Befindlichkeiten taugt "Die abhandene Welt" aber allemal.

Die Furche: Von "Schwestern oder Die Balance des Glücks" bis zu "Die bleierne Zeit": Sie haben oft über Geschwister erzählt -und erfuhren spät, dass Sie eine Schwester haben.

Margarethe von Trotta: Meine Mutter hatte Alzheimer, und ich hätte schon stutzig werden müssen, als sie mich einmal fragte, wie es denn meiner Schwester ginge. Ich hatte nie in der eigenen Vergangenheit geforscht.

Das ist mir wie mit einem Hammer auf den Kopf geschlagen worden, als mir eines Tages eine mir unbekannte Frau verriet, dass sie meine Schwester ist. Danach haben wir das alles aufgearbeitet.

Die Furche: In "Die abhandene Welt" ist der Zustand des Erforschens von Katja Riemanns Figur ein permanentes Verwirrspiel.

Trotta: So sind nun einmal Familiengeheimnisse. Ich bin damit groß geworden. Ich wusste zum Beispiel lange nicht, dass meine Eltern gar nicht verheiratet waren. Und dann die Sache mit meiner Schwester. Ich habe tatsächlich das Gefühl, ich bin im Dunklen aufgewachsen, nicht nur,weil die Nachkriegszeit eine dunkle Zeit war und meine allerersten Erinnerungen das Schwarz der Luftschutzkeller in Berlin sind. Vielleicht führt das dann dazu, dass man gerne in den Dingen rumstochert.

Die Furche: Sie haben es trotz etlicher Widrigkeiten zur bekanntesten Filmemacherin Deutschlands geschafft.

Trotta: Weil ich früher als Schauspielerin arbeitete, traute man mir keine Filmregie zu. Beim Hessischen Rundfunk sagte man mir, als ich mein erstes Drehbuch fertig hatte: "Aber Frau Schlöndorff, wieso wollen sie ihre Karriere denn ändern? Sie haben doch immer so schön gespielt. Und Ihr Mann macht die Regie. So war das doch immer gut".

Die Furche: Schlöndorff, damals Ihr Ehemann, konnte Ihnen gar nicht "helfen"?

Trotta: Doch, beim WDR. Dort hatten die gesehen, dass ich bei "Katharina Blum" mitinszeniert hatte. Die haben mir dann die Chance gegeben. Doch selbst da musste Volker intervenieren

Die Furche: und Sie Ihre eigene Handschrift finden. Wie sieht diese aus?

Trotta: Schwer zu sagen. Man kann einen Maler nicht fragen, warum er gerade das malt. Es muss etwas in einem vorhanden sein, aber der Vorgang der Veräußerung ist nicht immer ganz klar. Vieles meiner Arbeit ist bestimmt von einem Gefühl. Ich glaube einfach nicht, dass man das Schreiben von Drehbüchern lernen kann. Das muss aus einem entstehen.

Die Furche: Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass jeder Film, den Sie machen, ihr erster ist.

Trotta: Absolut! Und ich bin auch jedes Mal davon überzeugt, dass ich es nicht schaffe. Aber Schwierigkeiten konnten mich noch nie bremsen.

Die abhandene Welt D 2015. Regie: Margarethe von Trotta. Mit Katja Riemann, Barbara Sukowa. Filmladen. 101 Min.