Der Hund ist hin, er stinkt vom Kopf

Mein Onkel Peter war ein verschrobener Grantler, ein leidenschaftlicher Pessimist und Patriot vom Schlag eines Thomas Bernhard. In weiser Voraussicht erkannte er schon in den goldenen Jahren des Wirtschaftswunders die Keime für Niedergang, Korruption und kulturellen Verfall unseres schönen Landes. Sein Spruch über dessen wahren Zustand lautete: „Der Hund ist hin.“

Und heute? Betrachten wir zum Beispiel unsere Bahn. Bahn fahren war mit Entspannung, dem Genuss landschaftlicher Schönheit, guter Lektüre und kulinarischer Köstlichkeiten verbunden. Die Strecke Wien–Venedig mit dem Waggon nach Triest gehörte zu unserer Tradition. Venedig, die Stadt, in der Autos nur Garagengebühren verursachen, war das ideale Ziel für Bahnreisende. Bei der ÖBB weiß man es besser. Wien–Villach mit dem Zug, dann umsteigen in einen Bus und fort in den Stau auf die Autobahn. In acht(!) Stunden ist das nicht immer zu bewältigen. Der früher meist ausgebuchte Schlafwagen verkehrt zwar noch immer, allerdings von Wien über Salzburg und braucht für die Strecke unglaubliche elfeinhalb Stunden.

Die Verbindung Wien–Triest ist noch viel komplizierter. Man muss ja nicht in jene Stadt reisen, die rund 600 Jahre zu Österreich gehört hat, und in der man auch heute noch mehr Wienerisches entdecken kann als in so mancher Landeshauptstadt. Von Wien geht es mit dem Zug nach Villach, dann heißt es umsteigen in den Bus und dann noch einmal umsteigen in Udine in einen Regionalzug. Fahrtdauer im besten Fall achteinhalb Stunden. Mit dem Auto über Slowenien braucht man weniger als fünf.

Die Bahnmanager haben jedenfalls vorbildlich gespart – und zwar an den Leistungen für die Kunden. Ein solches Management gleicht jenem zahlreicher anderer Großbetriebe und letztendlich jener chaotischen Politik, die das alles zulässt. Mein Onkel hat Recht behalten. Der Hund ist hin, und er stinkt vom Kopf. Das Erstaunliche ist, dass es sich in Österreich trotzdem noch immer gut leben lässt.

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