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Feuilleton

Essen, Schlafen, Fernsehen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

"Televisions - Kunst sieht fern" in der Kunsthalle Wien.

Am Bildschirm züngeln kleine Flammen aus einem Haufen von Holzscheiten, 24 Minuten lang: mit diesem bahnbrechenden Film verwies Jan Dibbets 1969 darauf, dass das Fernsehen - sowohl die ausgestrahlten Bilder als auch das Gerät selbst - zum kulturellen Ersatz für den häuslichen Kamin geworden ist. Der Film ist auch in der Ausstellung "Televisions - Kunst sieht fern" in der Wiener Kunsthalle zu sehen; eine Schau, die zeigt, wie sich Künstler mit Fernsehen auseinandersetzten. Hier wird nicht erklärt und nicht über Verdummung oder Verfall moralischer Werte aufgrund des Fernsehens lamentiert, sondern "die Ausstellung versucht", so der New Yorker Kurator Joshua Decker, "das Ausmaß vor Augen zu führen, in dem Künstler mit unterschiedlichem sozialen und ideologischen Hintergrund sich - spielerisch und ernsthaft - mit dem Fernsehen befasst haben".

"Fernsehen ist das Medium des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderes haben seine Bilder unsere Vorstellungen und Ansichten über diese Welt geprägt. Unser visuelles und narratives Repertoire wird zu großen Teilen von ihm gespeist", analysiert Kunsthallen-Direktor Gerald Matt. Wer in den USA in den sechziger Jahren, in Europa spätestens in den siebziger Jahren aufgewachsen ist, für den gehört Fernsehen zum Alltag wie Schlafen und Essen. Bei künftigen Künstlern war das nicht anders, und so schöpfen sie heute selbstverständlich aus dem enormen ästhetischen, inhaltlichen und mythischen Fundus des Fernsehens. Auf den 22 Fotos von Joseph Zerners fragiler Installation "Fernsehecken in Junggesellenwohnungen" zeigt sich der TV-Apparat als archimedischer Punkt im Leben junger Menschen.

Einen gewohnt spielerischen Zugang hat Pippilotti Rist zum Thema: In ihrer begehbaren Installation "Das Zimmer" (1984) sind Sitzgarnitur, Stehlampe und Fernbedienung um ein mehrfaches vergrößert und in dieser Monumentalität quasi ins Sakrale erhoben. Die Künstlergruppe Gala Committee wiederum unterwanderte mit ihrem Projekt "In the Name of the Place" das amerikanische TV-System: Ohne Wissen der Produzenten schmuggelten sie Kunstwerke mit subtil subversivem Charakter in die Fernsehserie "Melrose Place". In der Wiener Kunsthalle ist eine Sequenz daraus zu sehen, die während einer Vernissage spielt, im Hintergrund sind Skulpturen aus Bildröhren zu sehen und TV-Kriegsbildern aus dem Irak.

Bis 6. Januar

"Televisions - Kunst sieht fern" in der Kunsthalle Wien.

Am Bildschirm züngeln kleine Flammen aus einem Haufen von Holzscheiten, 24 Minuten lang: mit diesem bahnbrechenden Film verwies Jan Dibbets 1969 darauf, dass das Fernsehen - sowohl die ausgestrahlten Bilder als auch das Gerät selbst - zum kulturellen Ersatz für den häuslichen Kamin geworden ist. Der Film ist auch in der Ausstellung "Televisions - Kunst sieht fern" in der Wiener Kunsthalle zu sehen; eine Schau, die zeigt, wie sich Künstler mit Fernsehen auseinandersetzten. Hier wird nicht erklärt und nicht über Verdummung oder Verfall moralischer Werte aufgrund des Fernsehens lamentiert, sondern "die Ausstellung versucht", so der New Yorker Kurator Joshua Decker, "das Ausmaß vor Augen zu führen, in dem Künstler mit unterschiedlichem sozialen und ideologischen Hintergrund sich - spielerisch und ernsthaft - mit dem Fernsehen befasst haben".

"Fernsehen ist das Medium des 20. Jahrhunderts. Wie kein anderes haben seine Bilder unsere Vorstellungen und Ansichten über diese Welt geprägt. Unser visuelles und narratives Repertoire wird zu großen Teilen von ihm gespeist", analysiert Kunsthallen-Direktor Gerald Matt. Wer in den USA in den sechziger Jahren, in Europa spätestens in den siebziger Jahren aufgewachsen ist, für den gehört Fernsehen zum Alltag wie Schlafen und Essen. Bei künftigen Künstlern war das nicht anders, und so schöpfen sie heute selbstverständlich aus dem enormen ästhetischen, inhaltlichen und mythischen Fundus des Fernsehens. Auf den 22 Fotos von Joseph Zerners fragiler Installation "Fernsehecken in Junggesellenwohnungen" zeigt sich der TV-Apparat als archimedischer Punkt im Leben junger Menschen.

Einen gewohnt spielerischen Zugang hat Pippilotti Rist zum Thema: In ihrer begehbaren Installation "Das Zimmer" (1984) sind Sitzgarnitur, Stehlampe und Fernbedienung um ein mehrfaches vergrößert und in dieser Monumentalität quasi ins Sakrale erhoben. Die Künstlergruppe Gala Committee wiederum unterwanderte mit ihrem Projekt "In the Name of the Place" das amerikanische TV-System: Ohne Wissen der Produzenten schmuggelten sie Kunstwerke mit subtil subversivem Charakter in die Fernsehserie "Melrose Place". In der Wiener Kunsthalle ist eine Sequenz daraus zu sehen, die während einer Vernissage spielt, im Hintergrund sind Skulpturen aus Bildröhren zu sehen und TV-Kriegsbildern aus dem Irak.

Bis 6. Januar