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Keine Angst vorm Fliegen

Bunt und kindgerecht ist die Bühne, blau-rosa gestreift die Tapete im Kinderzimmer der Familie Darling. Sie entschädigt die kleinen Zuhörer von "Peter Pan" für die großen, rotsamtenen Erwachsenenstühle der Wiener Staatsoper. Die Anfangssituation kennen sie alle: wenn Wendy, John und Michael den größten Spaß bei der Polsterschlacht haben, müssen sie ins Bett. Dann beginnt Wilfried Hillers musikalische Abenteuerreise: ein lustiges, fliegendes Lichtchen mit Haarbüschel flattert herein. Es ist die Fee Klingklang, die Peter Pan seinen verlorenen Schatten zeigt. Mrs. Darling hat ihn im Fenster des dritten Stocks eingeklemmt.

Angelika Kirchschlager ist ein entzückender Peter Pan, temperamentvoll wälzt sie sich auf dem Boden, versucht mit Spucke ihren Schatten auf die Fersen zu heften. Der will nicht halten. Da wacht Wendy (Ileana Tonca) auf, und näht ihn wieder an. Ein bisschen Zauberstaub, wunderbare Gedanken, schon fliegen alle ins Land Nirgendwo. Ein Riesenkrokodil mit tickender Uhr im Bauch, Piraten, der böse Kapitän Haken (wunderbar mit dramatisch rollenden Augen Hans Peter Kammerer) und Tigerlilly (Ildiko Raimondi) leben in einer fremdartigen, gefährlichen Welt.

"Kinder werden leider viel zu selten für voll genommen", meint Komponist Hiller, der John Matthew Barries berühmte Geschichte vom Jungen, der nicht erwachsen werden will in der Übersetzung Erich Kästners vertont hat. Sowohl die Musik in ihrer von Triangeln und Bläsern dominierten Poesie als auch der Text sind anspruchsvoll: Haken erinnert sich in einer Arie der eigenen Kindheit, auch Peter Pan ist differenziert gezeichnet. Fee Klingklang sorgt für Interaktivität: das Publikum kann sie vorm Tod retten. Dazu muss die Frage, ob man an Feen glaubt, beantwortet werden: "Jaaaa!" rufen die Kleinen.

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