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Feuilleton

Kennedy & unsere Zukunft

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Kurz vor seinem Tod sandte John F. Kennedy dem österreichischen Unterrichtsminister Dr. Drimmel ein Danktelegramm für dessen bevorstehende Rede im Burgtheater zu Ehren Abraham Lincolns - zur 100. Wiederkehr des Tages, an dem Lincoln seine Rede zur Einweihung des Nationalfriedhofs in Gettysburg hielt. Es beginnt mit den Worten: "Die bewegende Idee, die Lincoln in seiner Gettysburger Ansprache so einfach und so beredt ausgedrückt hat, wurde das gemeinsame Erbe derer in der ganzen Welt, die Freiheit und Menschenwürde lieben.“

John F. Kennedy hat sich zu dieser Internationale bekannt, die berufen ist, die Internationalen der Vergangenheit, soweit sie nicht bereits in den Todesmühlen und Kriegen zerbrachen, hereinzuholen und positiv aufzuheben: die Internationale des Menschen, der sich zu Glaube, Liebe und Hoffnung verpflichtet weiß: durch das Licht der Vernunft. Totius libertatis radix est in ratione constituta - aller Freiheit Wurzel ist in der offenen Vernunft - sagt Thomas von Aquin. Offene Vernunft: gottoffen, menschenoffen. […]

Kennedy war ein Staatsmann mit einem katholisch gebildeten Gewissen. Das ist nicht einfach identisch mit einem Parteigewissen. Dieser erste katholische Präsident der USA wußte, daß der Katholik für Andersdenkende nur glaubwürdig wird, wenn er alle anspricht, für alle handelt, für alle da ist. Nr. 48 / 30. November 1963