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Feuilleton

Literarischer Blick auf die "Frösche im Meer"

1945 1960 1980 2000 2020
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Vor sieben Jahren erst begann Tanja Maljartschuk in Wien Deutsch zu lernen. Ihre Literatur ("Neunprozentiger Haushaltsessig","Biografie eines zufälligen Wunders", beide im Residenz Verlag) schrieb sie auf Ukrainisch und größere Texte wird sie - vorerst -auch weiterhin in ihrer Muttersprache schreiben. Kolumnen und zwei kürzere Erzählungen hat sie allerdings bereits auf Deutsch verfasst. "Frösche im Meer" ist der dritte Text, sie reichte ihn bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur ein. Ganz erleichtert, "dass wir endlich eine richtige Geschichte haben", zeigte sich Juror Michael Wiederstein in der Klagenfurter Diskussion am Freitagvormittag. Eigenartig, denn auch die zuvor gehörten Texte waren durchaus traditionell erzählt. Die Jury des diesjährigen Bachmannpreises aber entschied sich für einen einfachen, leicht verständlichen Text, über den man nicht viel rätseln, den man nicht interpretieren muss und der auch sprachlich keine Denksportaufgaben aufgibt. Was in Bezug auf die Jury zu denken gibt, aber nicht unbedingt ein Argument gegen Maljartschuks Text ist. Sie könne nur ein paar Wörter, die Geschichte sei dann sehr einfach, sagte sie bescheiden in Interviews. Dass Einfachheit kunstvoll sein und eine entsprechende Wirkung haben kann, weiß sie aber einzusetzen. Wie Peter Bichsel, der Autor ihres Lieblingsbuches "Kindergeschichten", inzwischen ein Klassiker und ein Beweismittel, wie man mit Schlichtheit und Schönheit einer Sprache über menschliche Abgründen die traurigsten Geschichten zu erzählen vermag. Auch Maljartschuks "Frösche im Meer" ist nicht harmlos. Der Text erzählt von Petro, dem Migranten ohne Pass, und von seiner berührenden Beziehung zu einer dementen alten Dame. "Die Verlage werden sich drum reißen, solche Geschichten kommen an", stellte Juror Klaus Kastberger fest. 1983 in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine geboren, studierte Tanja Maljartschuk Ukrainische Philologie an der Prykarpattia National Universität. Sie arbeitete einige Jahre als Fernsehjournalistin in Kiew. Seit 2011 lebt sie in Österreich. Sie kennt diese Geschichten, von denen sie erzählt. Petro sieht sie als Gesamtbild für jene Menschen in Illegalität, ohne Pass und damit ohne Identität -und damit auch ohne Chance, je integriert zu werden. Sie sind wie "Frösche im Meer". Mag sein, dass die Jury mit ihrer Entscheidung (wieder einmal) auch ein Statement zur gegenwärtigen politischen Lage gegeben hat, Maljartschuk jedenfalls wird ihren Weg als Schriftstellerin gehen.

Vor sieben Jahren erst begann Tanja Maljartschuk in Wien Deutsch zu lernen. Ihre Literatur ("Neunprozentiger Haushaltsessig","Biografie eines zufälligen Wunders", beide im Residenz Verlag) schrieb sie auf Ukrainisch und größere Texte wird sie - vorerst -auch weiterhin in ihrer Muttersprache schreiben. Kolumnen und zwei kürzere Erzählungen hat sie allerdings bereits auf Deutsch verfasst. "Frösche im Meer" ist der dritte Text, sie reichte ihn bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur ein. Ganz erleichtert, "dass wir endlich eine richtige Geschichte haben", zeigte sich Juror Michael Wiederstein in der Klagenfurter Diskussion am Freitagvormittag. Eigenartig, denn auch die zuvor gehörten Texte waren durchaus traditionell erzählt. Die Jury des diesjährigen Bachmannpreises aber entschied sich für einen einfachen, leicht verständlichen Text, über den man nicht viel rätseln, den man nicht interpretieren muss und der auch sprachlich keine Denksportaufgaben aufgibt. Was in Bezug auf die Jury zu denken gibt, aber nicht unbedingt ein Argument gegen Maljartschuks Text ist. Sie könne nur ein paar Wörter, die Geschichte sei dann sehr einfach, sagte sie bescheiden in Interviews. Dass Einfachheit kunstvoll sein und eine entsprechende Wirkung haben kann, weiß sie aber einzusetzen. Wie Peter Bichsel, der Autor ihres Lieblingsbuches "Kindergeschichten", inzwischen ein Klassiker und ein Beweismittel, wie man mit Schlichtheit und Schönheit einer Sprache über menschliche Abgründen die traurigsten Geschichten zu erzählen vermag. Auch Maljartschuks "Frösche im Meer" ist nicht harmlos. Der Text erzählt von Petro, dem Migranten ohne Pass, und von seiner berührenden Beziehung zu einer dementen alten Dame. "Die Verlage werden sich drum reißen, solche Geschichten kommen an", stellte Juror Klaus Kastberger fest. 1983 in Iwano-Frankiwsk in der Ukraine geboren, studierte Tanja Maljartschuk Ukrainische Philologie an der Prykarpattia National Universität. Sie arbeitete einige Jahre als Fernsehjournalistin in Kiew. Seit 2011 lebt sie in Österreich. Sie kennt diese Geschichten, von denen sie erzählt. Petro sieht sie als Gesamtbild für jene Menschen in Illegalität, ohne Pass und damit ohne Identität -und damit auch ohne Chance, je integriert zu werden. Sie sind wie "Frösche im Meer". Mag sein, dass die Jury mit ihrer Entscheidung (wieder einmal) auch ein Statement zur gegenwärtigen politischen Lage gegeben hat, Maljartschuk jedenfalls wird ihren Weg als Schriftstellerin gehen.