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Feuilleton

Nicht wirklich an die Wurzeln der RAF gelangt

1945 1960 1980 2000 2020
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An die Wurzeln des RAF-Terrors will der deutsche Regisseur Andres Veiel mit "Wer, wenn nicht wir gehen“. Angelehnt an Gerd Koenens Werk "Vesper, Ensslin, Baader: Urszenen des deutschen Terrorismus“ und viele Zeitzeugenbefragungen versucht Veiel, den psychoanalytischen Subtext der Revolte in Bilder zu fassen. Gleich seinen preisgekrönten und exzellent recherchierten Dokumentationen wie "Black Box BRD“ oder "Der Kick“ hat sich Veiel ins Thema eingegraben: Hört man ihn über den Film sprechen, gewinnt dieser an Stimmigkeit und Bedeutung. Sieht man den Film aber, ist man mit Auslassungen konfrontiert, die nicht Verdichtung, sondern Oberfläche bewirken. Veiel rekonstruiert Bernward Vespers und Gudrun Ensslins Biografie Anfang der 60er-Jahre, bevor Ensslin 1969 Andreas Baader kennenlernt und in den bewaffneten Widerstand abtaucht. Vesper und Ensslin verlieben sich und gründen den Verlag Studio Neue Literatur. Dort arbeiten sie sich an der NS-Schuld ihrer Väter ab und offenbaren sich bald als (selbst-)zerstörerische Persönlichkeiten. In seiner Untersuchung der Motivation für Terror bietet Veiel nur monokausale Erklärungsmuster, gepaart mit stereotyp ausgesuchtem Dokumentationsmaterial. Die RAF-Geschichte in ihrer Komplexität zu hinterfragen gelingt ihm - trotz hervorragender Leistungen August Diehls und Laura Lauzemis in den Hauptrollen - nicht.

Wer, wenn nicht wir

D 2011. Regie: Andres Veiel.

Mit August Diehl. Thimfilm.124 Min.