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Feuilleton

Zwischen Sozialkritik und großen Gefühlen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

"Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss" sang Udo Jürgens vor beinahe vier Jahrzehnten. Wie recht er hatte. Denn nun feierte der größte Entertainer des deutschsprachigen Raumes seinen 80. Geburtstag und steht noch auf der Bühne, wo er nach wie vor seine Fans begeistert. Wäre er US-Bürger, er wäre ein weltbekannter Superstar. Was ihn von anderen großen Entertainern wie Frank Sinatra, Dean Martin oder - um in heimischen Gefilden zu bleiben - Peter Alexander abhebt, ist die Tatsache, dass er nicht nur ein großartiger Interpret ist, sondern die meisten seiner Songs selbst schreibt. Der Aufstieg des 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Klagenfurt geborenen Sängers, Komponisten und Pianisten begann Anfang der 1960er-Jahre, als der Mainstream des deutschen Schlagers großteils zu niveauloser Humpta-ta-Musik verkam. Diesem Irrweg setzte Udo Jürgens vergleichsweise komplexe Kompositionen, anspruchsvolle Instrumentierung und gute, zum Teil brillante Texte entgegen. Sein vielleicht größter Hit "Merci, Chérie", mit dem er 1966 den Eurovision Song Contest gewann, vereint diese drei Elemente in Vollendung: Wie Udo Jürgens im Mittelteil des Liedes mit gefühlsgeladener Stimme singt, dass kein Meer so wild wie die Liebe sei, dazu Streicherklänge wogen und die Klaviersaiten Gischt versprühen - das gehört zum Besten, was der deutsche Schlager je hervorgebracht hat. Wobei Udo Jürgens' Oeuvre mehr den Namen "Chanson" verdient.

Poesie verströmen sogar vermeintlich seichte Titel wie "Siebzehn Jahr, blondes Haar": "Ein Tag wie jeder. Ich träum' von Liebe" - diese Zeile bringt die Sehnsucht nach menschlicher Verbundenheit auf den Punkt. Es gibt Lieder, die im Innersten berühren, etwa der eher unbekannte Song "Der große Abschied", der nichts weniger als den Kreislauf des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes zum Thema hat. In den 1970er-Jahren nahm sich Udo Jürgens auch sozialkritischer Themen an: In "Ein ehrenwertes Haus" prangerte er die Verlogenheit des Kleinbürgertums an. Mit "Griechischer Wein" - außerordentlich für die damalige Zeit - brachte er seinem Publikum das Schicksal von Gastarbeitern nahe. Udo Jürgens komponierte im Laufe seiner Karriere mehr als 1000 Lieder und veröffentlichte mehr als 50 Plattenalben. Doch er schrieb auch für andere: Seine Komposition "Reach for the Stars" wurde für Shirley Bassey ein Welthit. "If I Never Sing Another Song" gab Sammy Davis Jr. stets als Finale seiner Shows. Große Namen -doch Udo Jürgens überragt sie alle.

"Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss" sang Udo Jürgens vor beinahe vier Jahrzehnten. Wie recht er hatte. Denn nun feierte der größte Entertainer des deutschsprachigen Raumes seinen 80. Geburtstag und steht noch auf der Bühne, wo er nach wie vor seine Fans begeistert. Wäre er US-Bürger, er wäre ein weltbekannter Superstar. Was ihn von anderen großen Entertainern wie Frank Sinatra, Dean Martin oder - um in heimischen Gefilden zu bleiben - Peter Alexander abhebt, ist die Tatsache, dass er nicht nur ein großartiger Interpret ist, sondern die meisten seiner Songs selbst schreibt. Der Aufstieg des 1934 als Udo Jürgen Bockelmann in Klagenfurt geborenen Sängers, Komponisten und Pianisten begann Anfang der 1960er-Jahre, als der Mainstream des deutschen Schlagers großteils zu niveauloser Humpta-ta-Musik verkam. Diesem Irrweg setzte Udo Jürgens vergleichsweise komplexe Kompositionen, anspruchsvolle Instrumentierung und gute, zum Teil brillante Texte entgegen. Sein vielleicht größter Hit "Merci, Chérie", mit dem er 1966 den Eurovision Song Contest gewann, vereint diese drei Elemente in Vollendung: Wie Udo Jürgens im Mittelteil des Liedes mit gefühlsgeladener Stimme singt, dass kein Meer so wild wie die Liebe sei, dazu Streicherklänge wogen und die Klaviersaiten Gischt versprühen - das gehört zum Besten, was der deutsche Schlager je hervorgebracht hat. Wobei Udo Jürgens' Oeuvre mehr den Namen "Chanson" verdient.

Poesie verströmen sogar vermeintlich seichte Titel wie "Siebzehn Jahr, blondes Haar": "Ein Tag wie jeder. Ich träum' von Liebe" - diese Zeile bringt die Sehnsucht nach menschlicher Verbundenheit auf den Punkt. Es gibt Lieder, die im Innersten berühren, etwa der eher unbekannte Song "Der große Abschied", der nichts weniger als den Kreislauf des Lebens und die Unausweichlichkeit des Todes zum Thema hat. In den 1970er-Jahren nahm sich Udo Jürgens auch sozialkritischer Themen an: In "Ein ehrenwertes Haus" prangerte er die Verlogenheit des Kleinbürgertums an. Mit "Griechischer Wein" - außerordentlich für die damalige Zeit - brachte er seinem Publikum das Schicksal von Gastarbeitern nahe. Udo Jürgens komponierte im Laufe seiner Karriere mehr als 1000 Lieder und veröffentlichte mehr als 50 Plattenalben. Doch er schrieb auch für andere: Seine Komposition "Reach for the Stars" wurde für Shirley Bassey ein Welthit. "If I Never Sing Another Song" gab Sammy Davis Jr. stets als Finale seiner Shows. Große Namen -doch Udo Jürgens überragt sie alle.