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Gesellschaft

Der Sonntagsredner der Globalisierung

1945 1960 1980 2000 2020
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Es tut dem Selbstbewusstsein doch einfach nur gut, wenn man als Ministerpräsident eingeladen wird, die Keynote auf dem World Economic Forum in Davos zu halten. Draußen fahren die Schneeraupen und drinnen erhitzen sich die berühmtesten Gemüter der Welt an der Lage des Globus und der Globalisierung. Damit die Gegner draußen nicht so viel zu nörgeln haben, wird die Selbstkritik gleich im Vorfeld aufbereitet. Seit Jahren beginnt also das WEF mit einer bitteren Anklage gegen die Ungleichheit der Vermögen in der Welt. Auf dieses Lamento gibt es gewöhnlich kaum Reaktionen legistischer Natur. Und in diesem Sinne ist es eher eine Entschuldigung, auch im vergangenen Jahr nichts erreicht zu haben, um dem angeblich schwerwiegendsten Problem der Welt zu Leibe zu rücken.

Wenn eine solche Klage dann auch noch aus dem Mund des Regierungschefs eines der ungleichsten Länder der Welt kommt, kann man nur noch bass erstaunt den Mund öffnen, oder unwissend klatschen. Die Teilnehmer am WEF haben sich fürs Klatschen entschieden. Der Redner, Narendra Modi, ist seit 2014 der Ministerpräsident Indiens. Er ist nach eigenen Worten ein absoluter Fan der Globalisierung, beklagt aber, sie würde, "an Glanz verlieren", und zwar weil "die globale Wertschöpfungskette gestoppt ist". Er deutete damit relativ unverholen auf die USA, die gerade in diesen Tagen Importzölle auf einige Produkte erhöht.

Modi macht die unterbrochene Wertschöpfung auch dafür verantwortlich, dass "die Globalisierung nicht bei den Armen ankommt". Aber das liegt im Fall Indiens mit Sicherheit nicht an den USA, sondern vor allem an seiner eigenen Regierung.

Indien hat über eine Milliarde, Einwohner 750 Millionen davon leben in Armut. Gemäß Gini-Index ist die Vermögensdisparität in Indien nicht gesunken, sondern seit 2000 um zehn Prozent gestiegen. Modi verstand es in den vergangenen Jahren vor allem, die ärmeren Schichten der indischen Gesellschaft in Angst zu versetzen. Etwa mit einer massiven Abwertung, die den Bargeldverkehr im Land zum Erliegen brachte. Das Wachstum Indiens stützt sich noch immer auf den Export billiger Dienstleistungen und Waren, die ihren Wettbewerbsvorteil über Billiglöhne lukrieren und damit die Arbeitenden im eigenen Land benachteiligen und trotz Arbeit in Armut halten.

Wenn Modi also ruft: "Reform, transform!", dann wollen das in Davos zwar alle hören. Er selbst scheint den Ruf aber nicht zu verstehen.

Es tut dem Selbstbewusstsein doch einfach nur gut, wenn man als Ministerpräsident eingeladen wird, die Keynote auf dem World Economic Forum in Davos zu halten. Draußen fahren die Schneeraupen und drinnen erhitzen sich die berühmtesten Gemüter der Welt an der Lage des Globus und der Globalisierung. Damit die Gegner draußen nicht so viel zu nörgeln haben, wird die Selbstkritik gleich im Vorfeld aufbereitet. Seit Jahren beginnt also das WEF mit einer bitteren Anklage gegen die Ungleichheit der Vermögen in der Welt. Auf dieses Lamento gibt es gewöhnlich kaum Reaktionen legistischer Natur. Und in diesem Sinne ist es eher eine Entschuldigung, auch im vergangenen Jahr nichts erreicht zu haben, um dem angeblich schwerwiegendsten Problem der Welt zu Leibe zu rücken.

Wenn eine solche Klage dann auch noch aus dem Mund des Regierungschefs eines der ungleichsten Länder der Welt kommt, kann man nur noch bass erstaunt den Mund öffnen, oder unwissend klatschen. Die Teilnehmer am WEF haben sich fürs Klatschen entschieden. Der Redner, Narendra Modi, ist seit 2014 der Ministerpräsident Indiens. Er ist nach eigenen Worten ein absoluter Fan der Globalisierung, beklagt aber, sie würde, "an Glanz verlieren", und zwar weil "die globale Wertschöpfungskette gestoppt ist". Er deutete damit relativ unverholen auf die USA, die gerade in diesen Tagen Importzölle auf einige Produkte erhöht.

Modi macht die unterbrochene Wertschöpfung auch dafür verantwortlich, dass "die Globalisierung nicht bei den Armen ankommt". Aber das liegt im Fall Indiens mit Sicherheit nicht an den USA, sondern vor allem an seiner eigenen Regierung.

Indien hat über eine Milliarde, Einwohner 750 Millionen davon leben in Armut. Gemäß Gini-Index ist die Vermögensdisparität in Indien nicht gesunken, sondern seit 2000 um zehn Prozent gestiegen. Modi verstand es in den vergangenen Jahren vor allem, die ärmeren Schichten der indischen Gesellschaft in Angst zu versetzen. Etwa mit einer massiven Abwertung, die den Bargeldverkehr im Land zum Erliegen brachte. Das Wachstum Indiens stützt sich noch immer auf den Export billiger Dienstleistungen und Waren, die ihren Wettbewerbsvorteil über Billiglöhne lukrieren und damit die Arbeitenden im eigenen Land benachteiligen und trotz Arbeit in Armut halten.

Wenn Modi also ruft: "Reform, transform!", dann wollen das in Davos zwar alle hören. Er selbst scheint den Ruf aber nicht zu verstehen.