"Vor der Entscheidung muss eine Beratung Pflicht sein“

Birgit Brunsteiner, Obfrau des Vereins "46 plus 1“, im Gespräch über den Downsyndrom Bluttest und wie man damit umgehen soll.

Birgit Brunsteiner ist selbst Mutter eines Dreijährigen Kindes mit Downsyndrom und Obfrau des Vereins "46+1“.Der Verein arbeitet daran, Vorurteile gegenüber Menschen mit Trisomie 21 abzubauen. Im FURCHE-Gespräch zeigt Brunsteiner einen dritten Weg zum Umgang mit dem Bluttest auf.

Die Furche: Was halten Sie vomDownsyndrom-Bluttest?

Birgit Brunsteiner: Das ist ein schwieriges Thema. Mir persönlich wäre es natürlich lieber, wenn der Test nicht kommt, aber wir werden ihn nicht aufhalten können. Wir können nur versuchen, den Umgang damit zu beeinflussen, also einen verantwortungsvollen Umgang damit zu fordern.

Die Furche: Wie gelingt das?

Brunsteiner: Jede Frau hat natürlich das Recht, für sich selbst zu entscheiden, aber eine ausführliche Beratung sollte Pflicht sein. Bei einer solchen Entscheidung müssen die Eltern begleitet und nicht alleinegelassen werden.

Die Furche: Wie könnte diese Beratung aussehen?

Brunsteiner: Zum einen sollte es eine psychologische Beratung geben und zum anderen muss man aufklären, was genau das Downsyndrom ist. Die werdenden Eltern müssen sehen, was es bedeutet, ein Kind mit Trisomie 21 zu haben. Sie sollten zum Beispiel eine Familie mit einem Kind mit Downsyndrom treffen, oder sich über die vorhandenen Medien damit auseindersetzen. Und man muss ihnen genügend Zeit geben, um darüber nachzudenken und sich mit der Situation zu befassen. Aus meiner Sicht - der Sicht einer Mutter - ist die große Angst vor dem Down-syndrom unbegründet.

Die Furche: Was sehen Sie als größte Problematik des Tests?

Brunsteiner: Mit dem Bluttest geht eine Barriere verloren. Oft war einem die Fruchtwasseruntersuchung noch zu riskant. Jetzt kann man, um Gewissheit zu bekommen, einfach den Bluttest machen. Der Test ist wahrscheinlich sinnvoll auf vielen Ebenen, aber wer hat das Recht Leben abzusprechen? Und ich frage mich - warum pickt man sich ausgerechnet diese Menschen heraus? Weil es im Labor so einfach zu erkennen ist? Menschen mit Downsyndrom sind extrem liebenswerte Menschen. Sie können in die Schule gehen, arbeiten - sie können ein lebenswertes Leben führen.

Die Furche: Wie sehr sind Menschen mit Downsyndrom in unserer Gesellschaft akzeptiert?

Brunsteiner: Mein Sohn ist drei und wir haben bisher keine Probleme damit. Aber in der Arbeitswelt oder während der Ausbildung schaut es ganz anders aus.

Die Furche: Wie kann man mehr Akzeptanz gegenüber Menschen mit Trisomie 21 schaffen?

Brunsteiner: Akzeptanz ist so ein großes Wort. Das Bewusstsein für die Wertigkeit von Menschen mit Downsyndrom muss gesteigert werden. Man muss Menschen mit Trisomie 21 ernst nehmen. Das beginnt in den Kindergärten und geht weiter in der Schule und in der Ausbildung. Das Problem ist, dass die Gesellschaft mit diesem Thema kaum konfrontiert wird.

Die Furche: Wie lässt sich das ändern?

Brunsteiner: Durch Aufklärung. Zum Beispiel wenn im Fernsehen Filme über Menschen mit Downsyndrom gezeigt werden. Auch durch Initiativen wie der der "Neugeborenen-Box“ (Anmerkung: Eine Informationsbox für Schwangere und Eltern vom Verein 46+1, Down-Syndrom Österreich und der Aktion Leben) versuchen wir, ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

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