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Wie der Bundespräsident - "nur ein bissl lieber"

Besonders begrüßte Heinz Fischer bei seiner Angelobung zum Bundespräsidenten seinen Schwiegervater Otto Binder, der auf der Tribüne des Reichsratssaals an der Zeremonie teilgenommen hat. 1938 von den Nazis ins KZ gesteckt, 1939 vor den Nazis ins Exil nach Schweden geflüchtet, konnte Binder am letzten Donnerstag miterleben, wie sein Schwiegersohn ins höchste Amt im Staat berufen wurde. In einem Interview mit profil hatte Binder schon vorher bekannt: "Meine Entscheidung, 1949 zurückzukehren, war die richtige." Ein guter Kreis hat sich geschlossen.

Erste Heimat Schweden

Ähnliches mag Margit Fischer, der Tochter von Otto Binder, durch den Kopf gegangen sein, als sie bei ihrer ersten Handlung als Frau des Bundespräsidenten das zum Begräbnis von Thomas Klestil angereiste schwedische Königspaar vom Flughafen abholte und auf schwedisch - der Sprache des Exils - begrüßen konnte.

1943 in Stockholm geboren, kam Margit Fischer im Alter von sechs Jahren nach Österreich. "Ich konnte meine Eltern nicht verstehen, das Leben in Stockholm aufzugeben, um nach Österreich zurückzukehren", sagte Fischer kürzlich in einem Gespräch mit ORF-Moderatorin Danielle Spera. Sich hier wieder einzufinden habe ihr aber keine Probleme bereitet, betonte Fischer. Sie habe ja deutsch gesprochen, und in der Schule sei sie nur auf positive Neugier der Klassenkameraden gestoßen. Wirklich als Heimat habe sie Österreich erst ab der Mittelschulzeit empfunden, auch wenn Schweden für sie immer eine Art Heimat bleiben werde. Fischer: "Wir sind dem Land sehr dankbar, dass wir noch am Leben sind."

"First Lady-Lunch" war das Gespräch zwischen Fischer und Spera, zu dem die Frauenzeitschrift woman ins Palais Schwarzenberg geladen hatte, übertitelt. Doch eines stellte Fischer dabei gleich richtig: Sie ist und bleibt Margit Fischer. Als "First Lady" will sie nicht bezeichnet werden. Warum nicht? "Diesen Begriff gibt es nicht in der Verfassung." Der Satz könnte eins zu eins von ihrem Mann, dem Universitätsprofessor und Verfassungsexperten, stammen.

Auch sonst scheint es große Übereinstimmungen zwischen Margit und Heinz Fischer zu geben: "Schauen Sie sich die Margit doch an", sagt ein Freund, "die ist wie er, sie lacht nur ein bissl mehr und ein bissl lieber."

Eine "zum Angreifen"

Ansonsten ist es sehr schwer, Auskünfte über die Frau des Bundespräsidenten zu bekommen: "Sie ist eine sehr liebe Freundin", beteuert eine Freundin. Mehr wolle sie aber nicht sagen: "Bitte um Verständnis, aber das kommt nie so ganz richtig rüber."

Im Wahlkampf ihres Mannes musste sich Margit Fischer zuweilen dafür rechtfertigen, dass sie nach der Geburt ihrer beiden Kinder nicht mehr in ihren Beruf als Textildesignerin zurückgekehrt ist. Sie als Sozialdemokratin, antwortete Fischer darauf, habe immer die Einstellung gehabt, dass Frauen nicht berufstätig sein müssen, aber es ihnen ermöglicht werden sollte, den Weg zu gehen, der ihnen entspreche.

Und was will Margit Fischer als Frau des Bundespräsidenten machen? Sie wolle stets eine Bundespräsidentengattin "zum Angreifen" sein, verspricht Fischer und: "Ich hoffe, dass man mich so nimmt, wie ich bin."

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