Ali - © Centfox

"Ali": Knock Out

1945 1960 1980 2000 2020

Michael Manns Biographie "Ali" geht nicht nahe, Will Smith wächst jedoch in der Rolle über sich und sein Komödianten-Image hinaus .

1945 1960 1980 2000 2020

Michael Manns Biographie "Ali" geht nicht nahe, Will Smith wächst jedoch in der Rolle über sich und sein Komödianten-Image hinaus .

Wenn uns berühmte Persönlichkeiten auf der Kinoleinwand heimsuchen, so entartet das nicht selten in verkitschte Glorifizierung, etwa im Fall von Komponisten, Musikern, Schauspielern und gescheit(ert)en Wissenschaftern. Oder aber die Darstellung gerät zu einer vorwiegend polemischen Abhandlung komplexer geschichtlicher Ereignisse, was das Problem etlicher Politiker-Porträts ist.

In jedem Fall aber bringt das Sub-Genre der "Bio-Pics" meist recht einseitige Sichtweisen auf die dargestellte berühmte Person hervor, zumal der Spielfilm den Gesetzen des Kinos folgen muss und ein gesamtes Menschenleben besser auf zwei unterhaltsame Stunden zusammenkürzt, um nicht den Zuschauer zu verlieren.

Angelegt hat Regisseur Michael Mann ("Heat", "The Insider") seine Biografie als Star-Vehikel und rückt somit den allerorts gefeierten Will Smith in die Rolle des Boxers. Smith hebt sich darin gekonnt über die ihm anhaftenden Rollenklischees des witzigen, mit flotten Sprüchen bestückten Entertainers hinaus, was dem Film sehr gut tut, jedoch nur für mäßigen Erfolg an den Kinokassen sorgte.Die Amerikaner, die heroische Geschichten heroisch agierender Personen zumeist mit heroischen Einspielsummen goutieren, versagten Will Smiths "Ali" nämlich konsequent ihren Jubel. Boxkämpfe, so könnte man meinen, schaut man sich lieber daheim vor dem Fernseher an - oder gleich in der Boxarena.

Dennoch erschien den Machern das Leben von Muhammad Ali filmreif. Als Cassius Clay 1964 erstmals Weltmeister im Schwergewicht wird, ist er der Held der Nation. Als er sich dem Islam zuwendet und sich in Muhammad Ali umtaufen lässt, wendet sich die Öffentlichkeit ab. Erst sehr spät versöhnt sich die Welt mit dem Boxer, indem man ihn 1987 in die Hall of Fame des Boxens aufnimmt.

Michael Mann konzentriert sich in seinem rasch geschnittenen, dichten Film besonders auf die Inszenierung der Boxkämpfe, die er in spektakulären, dokumentarfilmartigen Bildern einfängt. Viele Großaufnahmen, ein körniges Bild, eine nicht selten unschöne Kadrage sollen die Hochglanzbilder aus der Ära der "Rocky"-Filme vergessen machen. Für den europäischen Betrachter wird allerdings schnell klar: Was hier gezeigt wird, ist in erster Linie ein uramerikani-scher Film, mit uramerikanischen Themen, Konflikten und Handlungsverläufen. Der Film geht in keiner Phase nahe, bleibt trotz seiner Unmittelbarkeit immer distanziert. Allein: Will Smith brilliert in der Rolle des Muhammad Ali. Denn sein Talent ist es, auch den kleinsten Anflug von Glorifizierung, von einseitiger Darstellung oder Klischeehaftigkeit mit Ironie zu quittieren. Als Komödiant beherrscht Smith dieses Feingefühl, das sich in Leichtigkeit äußert. Er lässt sich ihn in dieser Disziplin also durchaus als Schwergewicht bezeichnen.

Wenn uns berühmte Persönlichkeiten auf der Kinoleinwand heimsuchen, so entartet das nicht selten in verkitschte Glorifizierung, etwa im Fall von Komponisten, Musikern, Schauspielern und gescheit(ert)en Wissenschaftern. Oder aber die Darstellung gerät zu einer vorwiegend polemischen Abhandlung komplexer geschichtlicher Ereignisse, was das Problem etlicher Politiker-Porträts ist.

In jedem Fall aber bringt das Sub-Genre der "Bio-Pics" meist recht einseitige Sichtweisen auf die dargestellte berühmte Person hervor, zumal der Spielfilm den Gesetzen des Kinos folgen muss und ein gesamtes Menschenleben besser auf zwei unterhaltsame Stunden zusammenkürzt, um nicht den Zuschauer zu verlieren.

Angelegt hat Regisseur Michael Mann ("Heat", "The Insider") seine Biografie als Star-Vehikel und rückt somit den allerorts gefeierten Will Smith in die Rolle des Boxers. Smith hebt sich darin gekonnt über die ihm anhaftenden Rollenklischees des witzigen, mit flotten Sprüchen bestückten Entertainers hinaus, was dem Film sehr gut tut, jedoch nur für mäßigen Erfolg an den Kinokassen sorgte.Die Amerikaner, die heroische Geschichten heroisch agierender Personen zumeist mit heroischen Einspielsummen goutieren, versagten Will Smiths "Ali" nämlich konsequent ihren Jubel. Boxkämpfe, so könnte man meinen, schaut man sich lieber daheim vor dem Fernseher an - oder gleich in der Boxarena.

Dennoch erschien den Machern das Leben von Muhammad Ali filmreif. Als Cassius Clay 1964 erstmals Weltmeister im Schwergewicht wird, ist er der Held der Nation. Als er sich dem Islam zuwendet und sich in Muhammad Ali umtaufen lässt, wendet sich die Öffentlichkeit ab. Erst sehr spät versöhnt sich die Welt mit dem Boxer, indem man ihn 1987 in die Hall of Fame des Boxens aufnimmt.

Michael Mann konzentriert sich in seinem rasch geschnittenen, dichten Film besonders auf die Inszenierung der Boxkämpfe, die er in spektakulären, dokumentarfilmartigen Bildern einfängt. Viele Großaufnahmen, ein körniges Bild, eine nicht selten unschöne Kadrage sollen die Hochglanzbilder aus der Ära der "Rocky"-Filme vergessen machen. Für den europäischen Betrachter wird allerdings schnell klar: Was hier gezeigt wird, ist in erster Linie ein uramerikani-scher Film, mit uramerikanischen Themen, Konflikten und Handlungsverläufen. Der Film geht in keiner Phase nahe, bleibt trotz seiner Unmittelbarkeit immer distanziert. Allein: Will Smith brilliert in der Rolle des Muhammad Ali. Denn sein Talent ist es, auch den kleinsten Anflug von Glorifizierung, von einseitiger Darstellung oder Klischeehaftigkeit mit Ironie zu quittieren. Als Komödiant beherrscht Smith dieses Feingefühl, das sich in Leichtigkeit äußert. Er lässt sich ihn in dieser Disziplin also durchaus als Schwergewicht bezeichnen.

Ali plakat - © Centfox
© Centfox
Film

Ali

USA 2001
Regie: Michael Mann.
Mit Will Smith, Jon Voight,Mario Van Peebles.
Centfox. 159 min

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