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Film

Die Auslöschung des Kevin Spacey

1945 1960 1980 2000 2020
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Manchmal spielt das Leben schon verrückt. Rund zwei Wochen bevor Schauspieler Kevin Spacey Ende Oktober 2017 von einem Kollegen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt wurde und darauf hin mit sofortiger Wirkung sämtliche Engagements verlor und in der öffentlichen Achtung ins Bodenlose sank, bekam die FURCHE das Angebot für ein Telefoninterview mit Spacey zu dessen Film "Alles Geld der Welt". Dieser wurde dann bekanntlich eiligst umbesetzt, und das, obwohl er bereits fertig geschnitten war. Spacey sprach in dem Telefonat, das zwischen Wien und New York stattfand, von der Komplexität, die für seine Figur Jean Paul Getty war, und auch darüber, wie unverständlich kaltherzig dieser gewesen war, als er ablehnte, für seinen entführten Enkel Lösegeld zu bezahlen. Da zu diesem Zeitpunkt die Aufregung um Produzent Harvey Weinstein gerade ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte und sich mehr und mehr Frauen meldeten, die angaben, von ihm sexuell missbraucht worden zu sein, blieb die Frage nicht aus, wie Spacey denn zu all den Enthüllungen stehe: "Ich werde das heute nicht kommentieren", sagte er nur, und auch: "Wenn man sich als Schauspieler dazu entschließt, zu einer aktuellen Entwicklung einen Kommentar abzugeben, dann ist es völlig egal, was man sagt, weil am Ende die eine Hälfte des Landes für dich sein wird, und die andere Hälfte gegen dich. So funktioniert die Welt eben. Und man muss sich entscheiden, ob man das will oder nicht." Spacey sagte auch noch, dass er lieber nicht über aktuelle Aufreger spricht, sondern seine Kommentare zur Welt fänden vorwiegend über seine Arbeit statt. "Indem ich gewisse Rollen spiele, gebe ich einen viel wertvolleren Kommentar zum Zustand der Welt ab, als wenn ich mediale Zwischenrufe abgebe." Das Gespräch war zu Ende, und zwei Wochen später war Kevin Spaceys Weltkarriere dem Erdboden gleichgemacht. Und auch die Veröffentlichung des Interviews wurde obsolet, spätestens mit der Bekanntgabe durch Ridley Scott, Spacey vollständig aus dem Film entfernen zu wollen. Erst die Zeit wird zeigen, ob die Auslöschung des Kevin Spacey wirklich dauerhaft ist.

Manchmal spielt das Leben schon verrückt. Rund zwei Wochen bevor Schauspieler Kevin Spacey Ende Oktober 2017 von einem Kollegen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt wurde und darauf hin mit sofortiger Wirkung sämtliche Engagements verlor und in der öffentlichen Achtung ins Bodenlose sank, bekam die FURCHE das Angebot für ein Telefoninterview mit Spacey zu dessen Film "Alles Geld der Welt". Dieser wurde dann bekanntlich eiligst umbesetzt, und das, obwohl er bereits fertig geschnitten war. Spacey sprach in dem Telefonat, das zwischen Wien und New York stattfand, von der Komplexität, die für seine Figur Jean Paul Getty war, und auch darüber, wie unverständlich kaltherzig dieser gewesen war, als er ablehnte, für seinen entführten Enkel Lösegeld zu bezahlen. Da zu diesem Zeitpunkt die Aufregung um Produzent Harvey Weinstein gerade ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte und sich mehr und mehr Frauen meldeten, die angaben, von ihm sexuell missbraucht worden zu sein, blieb die Frage nicht aus, wie Spacey denn zu all den Enthüllungen stehe: "Ich werde das heute nicht kommentieren", sagte er nur, und auch: "Wenn man sich als Schauspieler dazu entschließt, zu einer aktuellen Entwicklung einen Kommentar abzugeben, dann ist es völlig egal, was man sagt, weil am Ende die eine Hälfte des Landes für dich sein wird, und die andere Hälfte gegen dich. So funktioniert die Welt eben. Und man muss sich entscheiden, ob man das will oder nicht." Spacey sagte auch noch, dass er lieber nicht über aktuelle Aufreger spricht, sondern seine Kommentare zur Welt fänden vorwiegend über seine Arbeit statt. "Indem ich gewisse Rollen spiele, gebe ich einen viel wertvolleren Kommentar zum Zustand der Welt ab, als wenn ich mediale Zwischenrufe abgebe." Das Gespräch war zu Ende, und zwei Wochen später war Kevin Spaceys Weltkarriere dem Erdboden gleichgemacht. Und auch die Veröffentlichung des Interviews wurde obsolet, spätestens mit der Bekanntgabe durch Ridley Scott, Spacey vollständig aus dem Film entfernen zu wollen. Erst die Zeit wird zeigen, ob die Auslöschung des Kevin Spacey wirklich dauerhaft ist.