The Peanut Butter Falcon - © Foto: Tobis
Film

Mark Twain lässt grüßen

1945 1960 1980 2000 2020

Tomas Taborsky über "The Peanut Butter Falcon" von Tyler Nilson und Michael Schwartz.

1945 1960 1980 2000 2020

Tomas Taborsky über "The Peanut Butter Falcon" von Tyler Nilson und Michael Schwartz.

Die kommenden Feiertage erinnern manche wieder an die Binsenweisheit, dass man sich seine Freunde aussuchen kann, die Familie jedoch nicht. Eine Figur aus „The Peanut Butter Falcon“ weiß es positiver auszudrücken: Freunde sind die Familie, die man sich aussucht. Für die zartfühlende Komödie wird das zum Leitmotiv, auch wenn Tyler und Zak nicht von Beginn an ein freiwilliges Gespann bilden. Der eine hat Streit mit den Fischern gesucht, die die Fanglizenz seines verstorbenen Bruders übernommen haben, und muss vor ihnen flüchten. Der andere hat das Down-Syndrom, ist aus dem Altersheim ausgebrochen, in das ihn die Behörden gesteckt hatten und gerät dabei auf Tylers Boot. Auf dem Weg nach Süden werden beide verfolgt. Im Fall von Zak ist es Eleanor, die junge Heimbetreuerin, die ihn zurückbringen will.

Die Reise des Duos über die Inselkette des Pamlico Sounds vor der Küste North Carolinas wurde nicht von ungefähr mit den Erzählungen Mark Twains verglichen. In ihr steckt einerseits enormes Gespür für die Gegend – Tyler Nilson, ein Teil des Regieduos, stammt von dort, und das zeigt sich in jeder Aufnahme des Lagunenlebens, der Weite der Landschaft. Andererseits thematisiert der Film geschickt, wie die Gesellschaft mit Menschen mit Beeinträchtigung umgeht: in Gestalt von Eleanor der einschränkende Impuls, sie (vor sich selbst) beschützen zu müssen, in jener von Tyler die Ermutigung, zu probieren, zu lernen und sein Potenzial zu nutzen. „The Peanut Butter Falcon“ macht auf sympathische Art vieles richtig. Nicht zuletzt stützt er sich auf eine großartige Besetzung, darunter der amerikanische Schauspielveteran Bruce Dern. Ihm gönnt diese filmische Entdeckung eine wundervolle, verschmitzte Altersrolle.