pieces of a woman - © Foto: Netflix

„Pieces of a Woman“: Sterben ist größtes Tabu

1945 1960 1980 2000 2020

Der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó über sein Geburtendrama „Pieces of a Woman“ (neu auf Netflix), das zu den großen Oscar-Anwärtern des Jahres 2021 zählt.

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Der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó über sein Geburtendrama „Pieces of a Woman“ (neu auf Netflix), das zu den großen Oscar-Anwärtern des Jahres 2021 zählt.

Diese Eröffnungsszene hat es in sich: In fast 30 Minuten ohne Schnitt zeigt der ungarische Regisseur Kornél Mundruczó („Underdog“) die Hausgeburt von Martha (Vanessa Kirby) und Sean (Shia LaBeouf), die dramatisch entgleitet: Die Hebamme muss am Ende den Tod des Neugeborenen feststellen, was das Paar in eine ungeheure Lebenskrise stürzt. „Pieces of a Woman“, neu im Programm von Netflix, gilt als sicherer Anwärter für einen Oscar- Regen, vor allem Vanessa Kirby, die bereits in Venedig mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, bringt sich in Stellung für die Oscars. Die FURCHE sprach in Venedig mit Mundruczó über diesen Film.

DIE FURCHE: Mit knapp 25 Minuten Länge zeigen Sie in „Pieces of a Woman“ eine Eröffnungsszene, die emotional intensiver nicht sein könnte – ein Meisterstück.
Kornél Mundruczó:
Danke. Ich wollte, dass die Zuschauer so nah an Martha und ihrem Schicksal dran sind wie möglich. Wie kann ich diese große Nähe herstellen? Wie kann ich ihre Erlebnisse mit dem Publikum so intensiv wie möglich teilen? Und wie kann ich meine Erfahrungen als Vater da mit einfließen lassen? Das waren die Grundfragen am Anfang dieses Projekts. Es ging mir dabei um einen sehr physischen Zugang zu der Szene, und zugleich wollte ich zeigen, wie wir die Kontrolle verlieren können in unserem Leben, und dass es dafür gar nicht viel braucht.


DIE FURCHE: Steckt ein großer Ehrgeiz dahinter, hier ganz ohne Schnitt auskommen zu wollen?
Mundruczó:
Ja. Ich wollte eine Art Dancefloor für die Schauspieler kreieren, wo sie sich selbst durch alle Phasen dieser Geburt bewegen konnten. Wo sie die Emotionen ausleben und ausdrücken konnten, so wie sie sie gerade empfinden. Das war auch logistisch eine ganz schöne Herausforderung, diese Szene so ganz ohne Schnitt hinzubekommen, und am Ende waren wir künstlerisch alle sehr glücklich damit.

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