heartbreak-emoji - © Illustration: Rainer Messerklinger

"Elefant auf der Brust": Herzschmerz und Handlettering

1945 1960 1980 2000 2020

Die Künstlerin Lucia Zamolo veranschaulicht Liebeskummer durch die expressive Kraft der Handschrift.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Künstlerin Lucia Zamolo veranschaulicht Liebeskummer durch die expressive Kraft der Handschrift.

Für die Liebe gibt es unendlich viele Sprachbilder und Vergleiche, sie wird in Musik, Literatur und bildender Kunst in all ihren wunderbaren Facetten beschrieben. Doch wie ist es mit dem leider mindestens ebenso häufigen Liebeskummer, der zwar in der Jugend wohl besonders intensiv durchlebt wird, aber längst nicht auf diese Lebensphase beschränkt ist? Womit kann er verglichen werden? Analog zu den oft bemühten romantischen Schmetterlingen im Bauch veranschaulicht die Künstlerin Lucia Zamolo das Phänomen als das Gefühl, ein Elefant würde auf der Brust sitzen.

In diesem Buch, das gleichermaßen als Sachbuch, Lebenshilfeband wie auch sehr persönliche Auseinandersetzung verstanden werden kann, setzt sie sich mit dem Thema auf einer individuellen emotionalen Ebene, verkörpert durch ein erzählendes Ich, auseinander, unternimmt aber auch einen witzigen und in Bild und Text anspielungsreichen Streifzug durch die Kulturgeschichte. „Alice im Wunderland“ und Richard Wagners musikalische Interpretation von „Tristan und Isolde“ werden dabei ebenso zitiert wie Platon. Das emotionale Chaos des Liebeskummers wird in Phasen aufgedröselt, die analog den klassischen Trauerphasen durchlebt werden müssen.

„Vor Kummer steht Liebe“

In seiner ästhetischen Konzeption setzt das ungewöhnliche Buch ganz auf die expressive Kraft der Handschrift: Durchstreichungen, Hinzufügungen, Kritzeleien und durcheinandergewirbelte Buchstaben sind nur einige der Stilmittel, die wiederum stimmig dem Thema entsprechen. Der Umgang mit Groß­- und Kleinschreibung ist dabei ebenso anarchisch wie jener mit anderen Konventionen, da muss das Buch auch schon mal um 90 Grad gedreht werden, um die Drastik des beschriebenen Gefühls auch ganz haptisch nachzuempfinden. In ihrem bemerkenswerten Debüt „Rot ist doch schön“ widmete sich Zamolo der Menstruation und setzte daher in der Farbgestaltung naheliegender Weise auf die titelgebende Farbe und ihre Schattierungen.

Hier greift sie der Komplexität des Gefühlsspektrums entsprechend zu sehr unterschiedlichen Akzenten: vom tiefen Schwarz der Verzweiflung über den schmerzlichen Verlust bis hin zum optimistischen und lebensbejahenden Gelb jener finalen Phase, in der das erzählende Ich, nicht zuletzt dank hilfreicher Selfcare­-Maßnahmen wie „Serien glotzen“ oder „nichts tun“, wieder ganz in sich ruht und auch das Positive des schmerzhaften Prozesses anerkennen kann. „Und ja: Der Kummer im Wort Liebeskummer überwiegt. Aber vor Kummer steht Liebe.“

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