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Das blaue Krebswunder

Die Diagnose Krebs erschreckt. Warum? Weil die Chancen, gesund zu werden, oft ungewiss sind und die Behandlungsmethoden (OP, Chemo-oder Strahlentherapie) alles andere als angenehm. Deshalb sehnen sich viele Krebskranke nach alternativen und sanften Heilverfahren. Nur allzu oft landen sie dabei bei Quacksalbern, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen - und ihnen das Geld aus der Tasche ziehen.

Als wenig seriöse Mediziner haben sich unlängst Sepp Leodolter und Johannes Huber geoutet. Vor zwei Wochen verkündeten die zwei Star-Gynäkologen auf der News-Coverseite eine "Neue Waffe gegen Krebs. Die Medizin-Sensation". Huber sprach ganz unbescheiden von einem "Quantensprung", Leodolter behauptete, dass "die Nebenwirkungen vergleichsweise minimal" sind.

Die Antwort der Ärzteschaft folgte prompt: Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, etwa übte in einer einmaligen Stellungnahme heftige Kritik. Patienten würden falsche Hoffnungen gemacht. Und die Methode sei "weder neu noch etabliert". Ein paar Tage später gab Huber im Standard-Interview zu, dass die erzielten Heilerfolge ebenso gut auf die Chemotherapie oder chirurgische Eingriffe zurückgeführt werden könnten.

Dabei wies Huber die Verantwortung für die News-Geschichte zurück. O-Ton: "Wenn man jemanden schlägt, muss man den schlagen, der das getan hat." Das ist richtig: Journalisten dürften aus zwei geheilten Patientenfällen(!) keine solche Sensationsmeldung machen (ein kritisches Statement vom Klub der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten wird bis dato schmerzlich vermisst). Nur wurde inzwischen bekannt, dass Huber selbst die News-Story autorisiert hat. Deshalb: Nein, Herr Huber, Sie und Ihr Kollege haben die medialen Prügel verdient, die Sie beide zurzeit bekommen.

thomas.muendle@furche.at

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