Kriegerin - © Burgtheater
Theater

Kleine Bühne, große Leistung

1945 1960 1980 2000 2020
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Während die Freiheitlichen in der Hofburg ihren Akademikerball feierten, wurde gegen Faschismus und rechte Ideologien demonstriert. Auch das Burgtheater bezog Position und setzte für letzten Freitag die Premiere des Jugenddramas „Kriegerin“ an. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Film von ­David Wnendt aus dem Jahr 2011. In der Theaterfassung von Tina Müller und in der Regie von Anja Sczilinski wird die Neonazi­szene einer ostdeutschen Kleinstadt ins heimische Traiskirchen verlegt. Die Protagonistin Marisa (Hanna Mannsberger) gehört zu einer rechtsradikalen Jugendclique. Zusammen mit ihrem Freund Sandro (Johannes Ayrle) führt sie diese Gruppe junger Menschen an, die nach Zugehörigkeit suchen. „Wir gehen zusammen“, „Wir sind das Volk“, lauten ihre Parolen. Respekt, Wertschätzung und Zuneigung finden sie hier nicht, sondern vielmehr Gewalt, Sexismus und patriarchale Hierarchien. Im Lebensmittelgeschäft der Mutter begegnet Marisa den beiden afghanischen Geflüchteten Rasul (Paul Winkler) und Jamila (Pilar Borower), die zur Zielscheibe ihrer Wut werden. Doch zunehmend geraten Marisas Vorurteile ins Wanken und sie erkennt, dass sie kein Kind mehr ist, sondern gesellschaftliche Verantwortung trägt und mitgestalten kann. Kraftvoll, mit Verve und Spielfreude überzeugt das Laien-Ensemble, mehr noch: Zusammen mit den „Burg-Profis“ Dunja Sowinetz und Wolfram Rupperti gelingt den Darstellern eine ungewöhnliche Ensemble-Leistung. Kein unechter Ton ist zu hören, kein Gestus, der nicht glaubwürdig ist. So ist es geradezu schade, dass die Inszenierung auf der kleinsten Bühne des Burgtheaters gezeigt wird, andererseits verstärkt die Intimität des Raums die Intensität. Viel Jubel für ein kluges Stück und eine beeindruckende Inszenierung.