Burgtheater - © Foto: Stefanie Moshammer
Theater

Short Cuts für die Theaterbühne

1945 1960 1980 2000 2020
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Wer gedacht hatte, Martin Kušej würde auch mit der dritten Neuinszenierung seiner ersten Spielzeit als Burgtheaterdirektor den Finger in die Wunde aktueller Diskurse legen, sah sich enttäuscht. Mit der Inszenierung von „The Party“ in der Regie von Anne Lenk landet das Burgtheater vorerst im politischen und künstlerischen Niemandsland. Trotz hochkarätiger Besetzung mit bewährten Kräften des Hauses zündet der Funke nicht. Das lag zum einen am Regiekonzept und zum anderen an der kniffligen Vorlage. Man kann sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, das Stück sei einzig angesetzt, um die Wiener Lieblinge in einem Stück zu versammeln.

Wer gedacht hatte, Martin Kušej würde auch mit der dritten Neuinszenierung seiner ersten Spielzeit als Burgtheaterdirektor den Finger in die Wunde aktueller Diskurse legen, sah sich enttäuscht. Mit der Inszenierung von „The Party“ in der Regie von Anne Lenk landet das Burgtheater vorerst im politischen und künstlerischen Niemandsland. Trotz hochkarätiger Besetzung mit bewährten Kräften des Hauses zündet der Funke nicht. Das lag zum einen am Regiekonzept und zum anderen an der kniffligen Vorlage. Man kann sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, das Stück sei einzig angesetzt, um die Wiener Lieblinge in einem Stück zu versammeln.

Mit der Inszenierung von ‚The Party‘ in der Regie von Anne Lenk landet das Burgtheater vorerst im politischen und künstlerischen Niemandsland.

Das bitterböse Kammerspiel, das die Britin Sally Potter (berühmt geworden durch die Filmversion von „Orlando“ mit Tilda Swinton) vor zwei Jahren so glänzend verfilmt hat, funktioniert auf der Bühne (so) jedenfalls nicht. Anne Lenk fehlte bei ihrem Debüt am Burgtheater eine eigene Vision. So sind die Figuren und Szenen geradewegs dem Film abgeschaut. Und die Bühne, die für sich eigentlich eine schöne Idee wäre, dient nur dazu, filmisches Erzählen zu imitieren. Bettina Meyer hat das Appartement, in das die Gastgeberin Janet (Dörte Lyssewski) eine handvoll Freunde eingeladen hat, um ihre Ernennung zur Gesundheitsministerin zu feiern, wie einen Grundriss um 90 Grad aufgestellt, so dass einzelne Räume übereinander aufgebaut sind.

Das Badezimmer und der Eingang kommen doppelt vor, aber aus zwei verschiedenen Perspektiven. Das ergibt schöne szenische Anordnungen, wenn die ankommenden Gäste etwa an der Haustür klingeln, sehen wir sie im Profil, während Janet sie an der anderen Stelle mit frontalem Spiel ins Publikum empfängt. Die einzelnen Szenen unterbricht Lenk immer wieder durch Schwarzblenden, was den ohnehin knappen Dialogen nicht gut bekommt. Die Party kommt so im doppelten Sinne nicht in Gang: Bill (Peter Simonischek) offenbart, dass er todkrank ist und die ihm verbleibende Zeit lieber mit seiner jungen und hübschen Geliebten verbringen will, die, wie sich herausstellt, nicht nur die Frau des koksenden Bankers (Christoph Luser) ist, sondern auch die Geliebte von Janet. Auch um die Beziehung der giftsprühenden April (Regina Fritsch) und ihrem esoterischen Lebensgefährten Gottfried (Markus Hering) steht es nicht zum Besten, und das lesbische Pärchen (Barbara Petritsch, Katharina Lorenz) erwartet ausgerechnet männliche Drillinge. Bald wird klar, dass die hochgesteckten Lebensentwürfe und hochtrabenden Visionen nichts als Illusionen und Lügen sind – und dass die Party nicht stattfindet. Das Publikum hat von dem Gemetzel wenig.

Theater

The Party

26. Sept., 1., 8. Okt.

Burgtheater