Federspiel

Der diskrete Charme von Wirtschaft

1945 1960 1980 2000 2020
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Ich bin die beste Lösung für Kaffee. Die Tabs mit Identifikationspotential lagen im Regal. Daneben das Sortiment tragbarer CD-Player. Es gab zwei Marken. Die Verkäufer versteckten sich und einer war beschäftigt, der Kunde auf sich gestellt, Entscheidungen zu treffen. Ich zögerte. Wenn du auf Qualität und Nachhaltigkeit setzt, kauf dir ein anderes Gerät. Seit wann duzt mich ein Verkäufer? Die vorwürfliche Haltung ärgerte mich. Ich war mit meinem Gewissen nicht auf Augenhöhe. Das Leben ist ein Verkaufsgespräch, auch zwischen den psychischen Instanzen. Ich dachte an die armen Kinder und an die CDs, die zu Hause ungespielt herumlagen. Für diesen Müll suchte ich Verwertung. Ich biss in den sauren Apfel der Entscheidung, die Sünde selber. Der Verkäufer kapierte, dass ich für teure Varianten bereit war. Riet zu den größeren Tasten. Ich war zur Dame erklärt. Will die Dame noch etwas?

Zu Hause wurde der CD-Player ausgepackt, Piazzola eingelegt. Nichts. Das Gerät war kaputt. Tage später in der gleichen Filiale, der gleiche Verkäufer. Zum Umtausch gab es das Vorführgerät. Ich hätte es genommen. Der Verkäufer verzog den Mund, als ich darauf bestand, es gleich zu ­testen. Da war kein Krieg zu gewinnen, die Logik zwingend. Ich wurde zum Verkäufer meines Problems. In dieser Welt ist Selbstbewusstsein Selbstsicherheit. Der Verkäufer musste den Player anschließen. Wieder nichts. Alle Geräte dieser Marke waren kaputt. Was mache ich jetzt?

Wir nehmen die billigere Variante, schlug er vor. Die erste Person Plural machte ihn zum Komplizen. Er drückte mir die Packung in die Hand. Wir sollten ihn ausprobieren, sagte ich. Der geht, sagte er. Die anderen sind alle zurückgekommen. Der Test gab ihm Recht. Wegen der Gutschrift für den Differenzbetrag fand ein Papierkrieg statt. Der Verkäufer blieb stoisch, der Umsatz war gemacht. Wutblicke der Warteschlange trafen mich.