Das Gute im Schlechten

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Putin, ein Verlierer; NATO und EU zusammengerückt; die Energiekrise vorangetrieben - über Aspekte, die es jenseits der Negativität zu betrachten gilt.

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Putin, ein Verlierer; NATO und EU zusammengerückt; die Energiekrise vorangetrieben - über Aspekte, die es jenseits der Negativität zu betrachten gilt.

Jetzt, da das neue Jahr wie eine unbeschriebene Seite vor uns liegt, ist die Hoch-Zeit der guten Vorsätze und – mit ihnen verbunden – die Hoffnung auf eine optimierte Zukunft. Ich glaube wirklich, dass 2023 ein besseres Jahr werden könnte. Im vergangenen gab es inmitten all der vielfältigen globalen Krisen, in all dem Schlechten, durchaus positive Entwicklungen.

Dass sich am 24. Februar der Überfall Russlands auf die Ukraine jährt, ist schrecklich. Aber dass der Krieg schon ein Jahr andauert, zeigt auch, wie unerwartet wehrhaft und durchhaltestark die Ukraine ist. Der Kriegsverbrecher aus Moskau wollte 2022 als strahlender Sieger in die Geschichte eingehen. Stattdessen ist Putin zum größten Verlierer des Jahres mutiert. Das rangiert ganz oben auf meiner persönlichen Liste „das Gute im Schlechten“.

Weiters stehen darauf (kunterbunt, ohne Priorisierung): NATO und EU sind durch die äußere Bedrohung zusammengerückt. Durch die Energiekrise wird endlich der Ausbau der erneuerbaren Energien zwingend vorangetrieben. Bisherige Abhängigkeiten werden kritisch hinterfragt. Bei den Midterm-Wahlen in den USA wurde der größenwahnsinnige Trump abgestraft. Dieser Corona-Winter lief bisher besser als befürchtet. Elon Musk demontiert sich vor der Weltöffentlichkeit in seiner ganzen reichen Selbstherrlichkeit. Und die Iranerinnen und Iraner begehren so mutig gegen das Unterdrücker-Regime auf, dass es den Mullahs angst und bange ist. Als sich die deutsche Außenministerin Baerbock zu den Prinzipien „feministischer Außenpolitik“ bekannte, wurde sie von vielen männlichen Kollegen belächelt. Dass der Spott nun weitgehend verstummt ist – nicht nur mit Blick auf den Iran, sondern auch auf die schreckliche Situation von Mädchen und Frauen in Afghanistan – setze ich deshalb zu guter Letzt auch noch auf meine Positiv-Liste. Die Autorin ist Redaktionsleiterin Ausland und politischer Hintergrund beim Bayerischen Rundfunk.

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