Klartext

Nach der Krise: Think positive!

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Wenn wir uns vorstellen, welche enorme Solidarleistungen wir in der Krise erlebt haben, dann hat das Vertrauen in eine positive Entwicklung eine Chance.

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Wenn wir uns vorstellen, welche enorme Solidarleistungen wir in der Krise erlebt haben, dann hat das Vertrauen in eine positive Entwicklung eine Chance.

Die Stimmung im Öffentlichen wie im Privaten ist negativ: Wirtschaftlich, politisch und psychisch hängen viele „in allen Seilen“. Und dann plagen uns gerade um das Faschingswochenende die Erinnerungen: Wer kann sich vorstellen, in einem dichtgedrängten Ballsaal zu sein und dem Vergnügen auf der Tanzfläche nachzugehen? Und dennoch sollten wir darauf vertrauen, dass diese Erfahrungen wieder möglich sein werden!

Zweifellos wird es Zeit brauchen, das so rasch akzeptierte Gefühl der Sicherheit durch physische Distanz wieder abzulegen: Sich bedenkenlos ohne Maske in einer Menschenmenge bewegen; eine Fahrt im Zug von Wien bis Bregenz genießen oder einen Langstreckenflug wagen?

Zeit wird es auch brauchen, wieder positiv in die Zukunft zu blicken! Ich möchte mich gedanklich einüben: Situationen durchdenken; auch die damit verbundene Vorfreude aufkommen zu lassen, um später rasch wieder in positive Erfahrungen eintauchen zu können!

Erfahrungen sind die Basis des Vertrauens, das momentan erschüttert ist, weil wir seit Monaten mit Unerwartetem konfrontiert sind. Allerdings entscheidet unsere Deutung der Erfahrungen darüber, ob wir sie als positiv wiedererleben oder als negativ vermeiden wollen. Dies hat derzeit eine besonders wichtige Konsequenz: Lassen wir zu, dass negative Deutungen der Erfahrungen der letzten Monate überhand gewinnen, kann gesellschaftliches Vertrauen nicht so rasch wiederkehren; wenn wir uns aber vorstellen, welche enorme Solidarleistungen wir in den letzten Monaten erlebt haben, hat das Vertrauen in eine positive gesellschaftliche Entwicklung nach dem Ende der Pandemie eine Chance: Think positive ist also das Gebot der Stunde!

Der Autor ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht und Leiter des Instituts für Familienforschung.