Im Jahr 2010 sorgten sich die Industriekapitäne am meisten über Ölpreise und Vermögensblasen. Auch heuer wurden Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums befragt und diese Sorgen durch eine noch dringendere Bedrohung ersetzt: Erstmals wurden Umwelt und Klima auf den ersten fünf Plätzen der globalen Risiken genannt. Das ist positiv, aber nun geht es an die Umsetzung von Maßnahmen.

Dafür braucht es bekannte Instrumente wie klimagerechte Steuerreform, hocheffiziente Energiedienstleistungen, Umbau zur Kreislaufwirtschaft etc. Viele davon sind türkis-grünen Regierungsprogramm enthalten. Aber es braucht auch soziale Innovationen. Frankreich verabschiedete etwa 2017 ein Gesetz, das den französischen multinationalen Unternehmen die Verantwortung für soziale und Umweltmissbräuche der gesamten Lieferkette zuschreibt. Von Präsident Macron initiiert und nun auch in Großbritannien gestartet wurden Bürgerversammlungen, die Entscheidungsträger beraten und bei denen Bürger an der Ausgestaltung von Klimamaßnahmen mitwirken werden. Auch im Mobilitätssektor gibt es soziale Innovationen. Barcelona hat Superblocks mit eingeschränktem Verkehr definiert, die Nebenstraßen in „Bürgerräume“ für Kultur, Freizeit und Gemeinschaft verwandeln. Autofreie Bezirke machen Schule, weil sie nicht nur Emissionen reduzieren, sondern die Lebensräume der Stadtbevölkerung neu gestalten.

Klimapolitik braucht also die Umsetzung der vielen seit Langem geplanten und teilweise schon durchgerechneten ökonomischen Maßnahmen ebenso wie innovatives Denken und Handeln, welches das Leben aller verbessert. Das ist eine neue Art von Wettbewerb. Davon brauchen wir wirklich mehr.

Die Autorin ist Professorin für Umweltökonomie und –politik an der Wirtschaftsuniversität Wien.

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