Klartext

Urlaub vom globalen Reizthema

1945 1960 1980 2000 2020
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Der bayerische Minister war bei seinem Israel-Besuch deutlich verblüfft. Zuhause hatte sein CSU-Parteichef und Ministerpräsident Söder gerade die Klimarettung zur obersten Maxime erklärt. Ein Schelm, der denkt, dass dies neben altruistischen Gründen auch damit zu tun haben könnte, dass sich die Grünen Hoffnungen machen dürfen, erstmals einen deutschen Kanzler zu stellen. In jedem Bierzelt wird hitzig über „Fridays For Future“ diskutiert. „Aber in Israel habe ich das Wort Klimawandel kein einziges Mal gehört.“ Der Minister hat recht. Man kann bei uns wunderbar Urlaub vom globalen Reizthema machen. Klimawandel findet in Israel nicht statt!

Morgens werfen wir die Klimaanlagen an, die unsere Wohnungen und Büros auf Eisschrank-Temperaturen bringen. Wenn sie nicht ohnehin die Nacht durchlaufen. Im Supermarkt werden wir in Hülle und Fülle mit praktischen Plastiktüten beschenkt. Die Glasflaschen landen irgendwo, nur nicht im Altglas-Container. Weil es ihn schlichtweg nicht gibt. Mit unseren SUVs fahren wir schicksalsergeben in den täglichen Mega-Stau auf der Stadtautobahn. Und über Sinn und Unsinn von Flugreisen können nur diejenigen diskutieren, deren Länder nicht von Feinden umzingelt sind. Bei uns stellt der Flughafen das einzige Tor zur Außenwelt dar. In Israel ist gerade (wiedermal) Wahlkampf. Der Klimawandel – kein Thema. Die Grünen treten gar nicht erst an. 2015 kamen sie auf 0,07 Prozent. In diesem Wahlkampf gibt es überhaupt nur ein Thema: für oder gegen Langzeitpremier Netanjahu. Man könnte meinen, wir lebten in einem glücklichen Land, das keine größeren Sorgen hat. Gerne unterhalten wir uns auch übers Wetter: Im Frühjahr gab es doch ungewöhnlich viele Stürme und sintflutartigen Regen. Und die Sommerhitze wird auch immer schlimmer. In diesem Jahr wurde am Roten Meer der Rekord von 50 Grad geknackt. Verrückt, oder?

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten

Der bayerische Minister war bei seinem Israel-Besuch deutlich verblüfft. Zuhause hatte sein CSU-Parteichef und Ministerpräsident Söder gerade die Klimarettung zur obersten Maxime erklärt. Ein Schelm, der denkt, dass dies neben altruistischen Gründen auch damit zu tun haben könnte, dass sich die Grünen Hoffnungen machen dürfen, erstmals einen deutschen Kanzler zu stellen. In jedem Bierzelt wird hitzig über „Fridays For Future“ diskutiert. „Aber in Israel habe ich das Wort Klimawandel kein einziges Mal gehört.“ Der Minister hat recht. Man kann bei uns wunderbar Urlaub vom globalen Reizthema machen. Klimawandel findet in Israel nicht statt!

Morgens werfen wir die Klimaanlagen an, die unsere Wohnungen und Büros auf Eisschrank-Temperaturen bringen. Wenn sie nicht ohnehin die Nacht durchlaufen. Im Supermarkt werden wir in Hülle und Fülle mit praktischen Plastiktüten beschenkt. Die Glasflaschen landen irgendwo, nur nicht im Altglas-Container. Weil es ihn schlichtweg nicht gibt. Mit unseren SUVs fahren wir schicksalsergeben in den täglichen Mega-Stau auf der Stadtautobahn. Und über Sinn und Unsinn von Flugreisen können nur diejenigen diskutieren, deren Länder nicht von Feinden umzingelt sind. Bei uns stellt der Flughafen das einzige Tor zur Außenwelt dar. In Israel ist gerade (wiedermal) Wahlkampf. Der Klimawandel – kein Thema. Die Grünen treten gar nicht erst an. 2015 kamen sie auf 0,07 Prozent. In diesem Wahlkampf gibt es überhaupt nur ein Thema: für oder gegen Langzeitpremier Netanjahu. Man könnte meinen, wir lebten in einem glücklichen Land, das keine größeren Sorgen hat. Gerne unterhalten wir uns auch übers Wetter: Im Frühjahr gab es doch ungewöhnlich viele Stürme und sintflutartigen Regen. Und die Sommerhitze wird auch immer schlimmer. In diesem Jahr wurde am Roten Meer der Rekord von 50 Grad geknackt. Verrückt, oder?

Die Autorin ist Korrespondentin der ARD im Nahen Osten