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FPÖ

DISKURS

Blauer EU-Wahlkampf: Wahnsinn mit Methode

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Spione und Trolle von außen, Weltverschwörer von innen: Europa wird im EU-Wahlkampf vielfach attackiert. Nun plakatiert die FPÖ: „EU-Wahnsinn stoppen“. Man müsste bei ihr selbst beginnen.

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Spione und Trolle von außen, Weltverschwörer von innen: Europa wird im EU-Wahlkampf vielfach attackiert. Nun plakatiert die FPÖ: „EU-Wahnsinn stoppen“. Man müsste bei ihr selbst beginnen.

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Wie viel Dystopie passt auf ein Plakat? Wer sich diese Frage stellt, kann das jüngste Opus aus der Ideen­schmiede der Freiheitlichen Partei studieren. Im Zentrum der apokalyptischen Szenerie prangt ein Liebespaar: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. Dahinter der schiere Weltuntergang: Flüchtlingsboote, Panzer, Helikopter, Windräder, ein paar Viren und eine Spritze. Für besonders Begriffsstutzige hat man noch ein paar Schlagworte dazumontiert: „Asylkrise“, „Öko-Kommunismus“, „Corona-Chaos“ und „Kriegstreiberei“. Über allem in dicken Lettern der Slogan, mit dem FPÖ-Spitzenkandidat Harald Vilimsky in den Europa-Wahlkampf zieht: „EU-Wahnsinn stoppen“.

Man könnte über ein solches Machwerk lächeln, wenn es nicht brandgefährlich wäre: „Solche Angstmacherei habe ich in Österreich auf Plakaten noch nicht gesehen“, meinte der Politanalyst und FURCHE-Kolumnist Peter Plaikner gegenüber der Krone. Tatsächlich ist mit den Sujets ein erster Tiefpunkt im hiesigen EU-Wahlkampf erreicht. Und es wird wohl nicht der letzte bleiben: Zu erfolgversprechend ist die Strategie von Europas Rechtspopulisten und -extremen, das Projekt EU zur Projektionsfläche allen Übels zu verzerren und damit von innen zu zerstören.

Propagandisten und Sektierer unter sich

Moskau und Peking unterstützen dieses Treiben nach Kräften. Nicht nur mit finanziellen Zuwendungen, Tausenden von Trollen, desinformationsaffinen Plattformen wie TikTok oder Propagandaportalen wie Voice of Europe – sondern auch mit Spionen. Österreichs Egisto Ott war nur einer von ihnen. Erst vergangene Woche wurden zwei Deutschrussen festgenommen, die Einrichtungen der US-Armee ausspähen sollten, in denen ukrainische Soldaten ausgebildet werden. Zuletzt wurde auch noch ein Mitarbeiter des AfD-Europaabgeordneten Maximilian Krah als Agent im Sold von China enttarnt. So wortkarg sah man die sonst gern polternde Partei noch nie.

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