Dem verzeihe ich alles

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Über ein Leben mit Thomas Gottschalk.

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Über ein Leben mit Thomas Gottschalk.

Als ich letztens in Bayern war, habe ich ein Prospekt von einem Discounter durchgeblättert. Dort wurde für einen Wein geworben, der „Wetten, der schmeckt?“ heißt. Kuratiert wurde die Weinlinie von Thomas Gottschalk, der ebenfalls auf dem Flyer zu sehen war. Dreimal. Im üblichen Clown-Anzug. Während ich diese Bilder betrachtete, wurde ich wehmütig. Ich verspürte eine tiefe Verbundenheit. Nicht sexuell oder seelenverwandtschaftlich. Es war eher so ein Gefühl von Vertrautheit, das man zu Menschen hat, die man schon sein ganzes Leben lang kennt.

Thomas Gottschalk erinnert mich an meinen ers­ten Kinobesuch. „Die Supernasen“. Meine Tante hatte mich mitgenommen. Wenn ich an Gottschalk denke, denke ich auch automatisch an meine Oma. „Wetten, dass..?“ war für sie Pflichtprogramm. Unzählige Male saß ich bei ihr auf der Couch, während der Showmaster seine albernen Sprüche geklopft hat. Was haben wir gelacht. Und auch meine Anfangszeit als Journalistin hat mit Gottschalk zu tun. Mein erster Job war der einer Promi-Berichterstatterin. Ein Genre, in dem Gottschalk Stammgast ist.

Ich habe ihm viele, viele schöne Momente zu verdanken. Er wird bei mir auf ewig einen Stein im Brett haben. Ich nehme ihm nicht einmal übel, dass er seine Thea vergrault hat und jetzt mit einer Jüngeren in Baden-Baden abhängt. Vermutlich würde ich ihm sogar ein Techtelmechtel mit Paris Hilton oder einer anderen Dumpfbacke verzeihen. „Wetten, der schmeckt?“.­ Wenn ich das nächste Mal in Bayern bin, kaufe ich eine Flasche. Die trinke ich dann mit meiner Kino-Tante. Wetten, dass der Abend nett wird? Thomas Gottschalk hat mich noch nie enttäuscht!

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