Mehr als nur ein "Schalk Gottes“

1945 1960 1980 2000 2020

Über den Identitäts-Stifter und bekennenden Christen Thomas Gottschalk.

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Über den Identitäts-Stifter und bekennenden Christen Thomas Gottschalk.

Mitten hinein in die deutsche Ratlosigkeit, ob es sich in der Causa Christian Wulff nur um ein Kurzfrist-Problem oder um einen bleibenden Schaden handelt, behauptet ein Zeit-Kolumnist jetzt keck: "Thomas Gottschalk ist für die deutsche Identität eindeutig wichtiger als der Bundespräsident - er redet besser, ist politisch unabhängiger, packt mutiger heiße Eisen an und hat auch mehr Nutzwert …“

Eine Pointe voll von politischer Hinterlist. Aber auch pointiert genug, um Deutschlands beliebtesten TV-Star an dieser Stelle einmal zum Thema zu machen. Der nämlich hatte kürzlich die Interviewer des Magazins Der Spiegel ordentlich aus der Fassung gebracht - mit einem Bekenntnis zum Christentum, wie es seit langem kein Anderer aus dem Metier des Unterhaltungsgeschäfts gewagt hat. Ein paar O-Töne Gottschalks - stellvertretend für viele:

Vernünftiges Gottvertrauen

• "Ich bin mit diesem Glauben aufgewachsen und habe bisher keinen Grund gehabt, ihn aufzugeben.“

• "Ich glaube sehr wohl, dass dort oben einer mein Leben lenkt.“

• "Ich bin überzeugt, dass ein gläubiger Mensch und ein fröhlicher Mensch nicht nur deckungsgleich sein können, sondern deckungsgleich sein sollen. Evangelium heißt ja ‚Frohe Botschaft‘ - das nehme ich ernst.“

• "Egal wo - in meiner persönlichen Umgebung versuche ich, eine wesentliche Anforderung des Christentums zu erfüllen: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

• "Ich stehe zu meinem in der Vernunft begründeten Vertrauen in einen allmächtigen Gott.“

• Und: "Mit meinem Glauben an Gott sterbe ich lieber, wenn ich schon sterben muss.“

Er habe, verrät Gottschalk, nach dem schrecklichen Unfall eines Wettkandidaten mit dessen Familie im Hotelzimmer gebetet - und dann auch mit diesem selbst im Spital: "Da war plötzlich eine Nähe da, auch eine Form von Geborgenheit …“ Der Talkmaster kennt seine Religion und ihre Exegeten gut - von Paulus über Thomas von Aquin und Blaise Pascal bis Karl Rahner und Hans Küng. Und lachend formuliert er: "Vielleicht habe ich deswegen nie gekifft, weil ich schon genug Weihrauch eingeatmet habe.“

Laien als Testimonials

Beim Lesen dieses Interviews habe ich an Kardinal König gedacht, der mit fortschreitendem Alter immer stärker davon überzeugt war, dass sich die Kirche heute mehr um das Wort von engagierten, in dieser Welt stehenden Laien bemühen sollte. Immer wollte König eine Liste angesehener Wissenschafter, Kulturpersönlichkeiten, Medienschaffender etc. anlegen, die fähig und bereit sind, ihre Verankerung im Christentum - und die Motivation dafür - auch öffentlich und medial zu bekennen. Von solchen Zeugnissen erhoffte er sich weit mehr Überzeugungskraft als von der oft weltfremden Sprache des Klerus und kirchlichen Obrigkeiten (was für den alten Kardinal selbst keineswegs zutraf).

Könnte also durchaus sein, dass der anfangs zitierte Zeit-Kolumnist mit seiner Pointe, dieser Thomas Gottschalk sei unabhängiger, mutiger und habe "mehr Nutzwert“ als mancher Träger höchster Würden, ganz absichtslos mitten ins Schwarze getroffen hat.

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