Andreas Khol im Gespräch mit Doris Helmberger-Fleckl - © Carolina Frank

Andreas Khol: "Ich bin nicht so einfach gestrickt"

1945 1960 1980 2000 2020

Klubchef, Nationalratspräsident, Bundespräsidentschaftskandidat, Katholik, Tiroler, Vater, Intellektueller – und Reibebaum. Wer ist Andreas Khol? Und wofür steht die ÖVP? Ein Gespräch zum 80er.

1945 1960 1980 2000 2020

Klubchef, Nationalratspräsident, Bundespräsidentschaftskandidat, Katholik, Tiroler, Vater, Intellektueller – und Reibebaum. Wer ist Andreas Khol? Und wofür steht die ÖVP? Ein Gespräch zum 80er.

Es ist brütend heiß an diesem Tag. Doch bei Familie Khol ist es auszuhalten. Holz und Grün, Kunst und Geschmack verbinden sich in der Cuviergasse in Wien-Hietzing zu einem herrlichen Ganzen. Wie passen ein modernes Holzhaus und abstrakte Skulpturen im Garten mit dem Image des kantigen schwarz-türkisen Chefideologen zusammen, das Andreas Khol so hartnäckig begleitet? Wofür steht er eigentlich? Und wieviel Christlich-Soziales steckt in der (neuen) Volkspartei? Die FURCHE hat ihn anlässlich seines 80. Geburtstags am 14. Juli besucht.

DIE FURCHE: Herr Khol, in einer Festschrift zu Ihrem Geburtstag wird vielfach das Schillernde an Ihnen herausgearbeitet. Paul Michael Zulehner, der „Hauskaplan“ Ihrer Familie, bezeichnet Sie als „bunten Schwarzen“. Wie würden Sie selbst einem Außenstehenden Ihre Person beschreiben?
Andreas Khol:
Ich bin ein heimatverbundener Patriot, ein aus der Wissenschaft und Diplomatie kommender Politiker, der versucht hat, nach der katholischen Soziallehre Politik zu machen und diesem Land zu dienen.

DIE FURCHE: In der Rolle des Politikers gelten Sie als jemand, der durchaus Macht auszuüben weiß, der schwarz-blauer Verbindungsmann war und von „roten Gfrießern“ gesprochen hat; privat hingegen gelten Sie als offen und kunstaffin, einer, der seine Kinder in Waldorfschulen geschickt und keine Peymann- oder Jelinek-Inszenierung ausgelassen hat. Wie geht das zusammen?
Khol:
Viel von dieser Vielfalt schulde ich meiner Frau. Sie hat aus der Not des ständigen Religions-Lehrerwechsels in der Waldorfschule heraus im Erwachsenenbildungsstudium ein Magisterium gemacht und ist selbst Religionslehrerin an der Schule geworden. Zudem habe ich in eine muslimische Schwiegertochter, einen Hindu-Schwiegersohn und einen Schwiegersohn, der aus einem traditionell sozialdemokratischen Haus kommt. Diese Vielfalt und die 16 Enkel sind ein Grund, warum ich nicht so einfach gestrickt bin. Außerdem war meine Mutter Halbjüdin – ich habe eine jüdische Großmutter –, während die Mutter meiner Frau später in Kärnten vom Katholischen ins Protestantische gewechselt ist. Die Ring-Parabel wurde mir von frühester Jugend an beigebracht - und auch das Wissen, dass Ideologie nie richtig oder falsch sein kann, sondern immer nur menschengerecht oder unangemessen. Ein Ideologe weiß, dass die Verabsolutierung seiner Werthaltung ein Dogma bedeutet und daher Unfreiheit. Und ich bin genau im Gegenteil erzogen.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau